Benedikt Sittler: Sohn von Walter Sittler und Gründer von Moja Rowa

Im Februar 2020 erzählte Sigrid Klausmann der Stuttgarter Zeitung von ihrem Sohn Benedikt: Er komme manchmal aus London nach Gotland, wenn ihr Mann Walter Sittler dort dreht. Er arbeite für Vivienne Westwood. Wenige Wochen nach diesem Gespräch kündigte er. Er flog nach Mexiko. Was als viermonatige Reise durch Südamerika geplant war, dauerte fast drei Jahre.



Stuttgart, eine bekannte Familie und ein eigener Weg

Benedikt Sittler wurde 1987 geboren und wuchs in Stuttgart-Möhringen auf. Sein Vater, Walter Sittler, ist dem deutschen Fernsehpublikum seit Jahrzehnten vertraut: als Chefarzt Dr. Robert Schmidt in der ARD-Serie Nikola und als Kommissar Robert Anders in Der Kommissar und das Meer, der deutsch-schwedischen Krimireihe, die auf Gotland gedreht wird. Seine Mutter, Sigrid Klausmann, ist Dokumentarfilmerin und Choreografin. 1997 gründeten sie und Walter Sittler gemeinsam die Produktionsfirma Schneegans productions.

Seine ältere Schwester Jennifer wurde Schauspielerin am Stadttheater Erlangen. Die jüngere Lea-Marie lebt als Musikerin in Göteborg. Benedikt ging in eine andere Richtung.

Walter Sittler sagte im selben Interview, er und Sigrid hätten allen drei Kindern die Ausbildung finanziert, die diese sich gewünscht hatten. Für Benedikt hieß das: Mailand, Mode, ein eigenes Leben weit weg von Stuttgart.


Studium in Mailand, Abschluss auf Gotland

Von 2009 bis 2012 studierte er Modedesign am Istituto Europeo di Design in Mailand. Sein Abschlussprojekt trug den Titel „Das innere Kind“ und wurde von Jens Spöri auf Gotland fotografiert, derselben schwedischen Insel, auf der sein Vater seit Jahren Der Kommissar und das Meer dreht. Walter Sittler veröffentlichte die Fotos 2012 auf seiner offiziellen Facebook-Seite.

Nach dem Abschluss zog er weiter. Nicht zurück nach Deutschland. Nach London.


Im Studio von Vivienne Westwood

In London arbeitete er als Assistent des Creative Director bei Vivienne Westwood, direkt unter Andreas Kronthaler, dem österreichischen Modedesigner, der Westwood 1992 heiratete und die kreative Führung des Hauses übernahm. Vivienne Westwood, die am 29. Dezember 2022 starb, baute eines der wenigen Modehäuser auf, das politisches Bewusstsein als Teil der Arbeit verstand, nicht als Marketingstrategie. Handwerk, Haltung, Widerspruch gegen das Tempo der Massenproduktion: das war das Haus, in dem Sittler seine Berufsjahre verbrachte.

Im selben Studio traf er auf Yelena Mojarova, die aus Italien nach London gekommen war, um ebenfalls bei Vivienne Westwood zu arbeiten. Aus der Begegnung wurde eine Beziehung und, Jahre später, eine gemeinsame Marke.

Anfang 2020 kündigten beide.


Fast drei Jahre in Mexiko

Der Plan war einfach: vier Monate durch Südamerika reisen, Mexiko als erster Stopp, danach zurück nach Italien und eine neue Stelle suchen. Dann begann die Pandemie.

Das Paar blieb. Sie mieteten ein Haus im Dschungel. Sie lernten lokale Handwerkstechniken, arbeiteten mit Naturmaterialien und hatten zum ersten Mal seit Jahren Zeit ohne Fristen. Von den Saisonkalendern und Abgabeterminen der Modeindustrie waren sie so weit entfernt wie noch nie in ihrem Berufsleben.

Sittler erklärte das später gegenüber WWD:

„Wir sind nicht nach Mexiko gegangen, um eine Marke zu gründen. Unser ursprünglicher Plan war zu reisen und dann nach Italien zu gehen und Arbeit zu finden. Aber durch das Leben in engerer Verbindung zur Natur und mehr Zeit zum Nachdenken kamen wir auf Ideen.“

2022 kehrten die beiden nach Italien zurück und ließen sich zwischen den Regionen Marche und Emilia-Romagna nieder, in Yelenas Heimatregion. Dort gründeten sie Moja Rowa.


Moja Rowa: Kleine Auflagen, klare Haltung

Dass Lieferanten das Paar anfangs regelmäßig ablehnten, war kein Einzelfall. Mojarova nannte diese Phase später „Rejection Therapy“. Wer schließlich bereit war, mit ihnen zu arbeiten, tat es zu ihren Bedingungen: kleine Mengen, manuelle Drucktechniken, kein Standardprogramm. Von Beginn an verkauften sie ausschließlich direkt an Kunden, ohne Zwischenhändler.

Das Markenkonzept nennen sie „Colorful Disobedience“: bunte Ungehorsamkeit. Das Kernhandwerk ist der Tie-Dye-Druck, manuell ausgeführt, und kein Stück sieht aus wie das nächste. Rund 60 Prozent der Frühjahrskollektion 2026 bestanden aus Deadstock-Stoffen, Materialien also, die andernfalls ungenutzt geblieben wären. Externe Investoren gibt es keine. Die kreative Kontrolle liegt vollständig bei den beiden Gründern.

Mojarova beschrieb den Ansatz gegenüber WWD als emotional, persönlich, farbenfroh und spielerisch. Sittler ergänzte: „Wir haben versucht, ein ehrliches Projekt zu sein.“


Der Förderpreis, die Modewoche und eine offene Frage

Im Mai 2025 gewann Moja Rowa den Camera Moda Fashion Trust Grant der Camera Nazionale della Moda Italiana, vergeben bei einer Gala in der Villa Necchi Campiglio in Mailand. Aus rund 80 Bewerbungen wurden zehn Finalisten ausgewählt, vier Marken gewannen jeweils 50.000 Euro sowie ein strukturiertes Mentoring-Programm. Sittler bestätigte gegenüber WWD, der Preis habe der Marke geholfen, weiterzumachen.

Im September 2025 debütierte Moja Rowa auf dem offiziellen Kalender der Mailänder Modewoche mit der ersten vollständigen Saisonkollektion. Die Präsentation fand in einem bürgerlichen Appartement aus dem 19. Jahrhundert statt. Das Thema war ein stiller Tanzwettbewerb: Models trugen Kleider aus Deadstock-Seide mit Stiefmütterchen-Drucken und transparente Baumwollblusen zu Musik, die nur sie über Kopfhörer hören konnten. Das Publikum war eingeladen mitzutanzen.

Zur selben Zeit unterzeichnete die Marke einen Vertrag mit Showroom 247 und war erstmals im Mailänder Concept Store Antonia erhältlich. Im Februar 2026 folgte eine zweite Saison auf dem Mailänder Kalender, diesmal unter dem Titel „Beat Party“, präsentiert in der Fondazione Sozzani, dem Kulturraum, der nach der langjährigen Vogue Italia-Chefredakteurin Franca Sozzani benannt ist.

Innerhalb eines Jahres hatte die Marke zweimal auf der Mailänder Modewoche gezeigt, einen Showroom-Vertrag unterzeichnet, den Förderpreis des Dachverbands der italienischen Modeindustrie gewonnen und war erstmals in einem der bekanntesten Concept Stores der Stadt erhältlich.

Die Marke, die ohne Investoren, ohne Kapital und ohne Businessplan begann, ist mitten in den Strukturen gelandet, die in dieser Branche darüber entscheiden, wer sichtbar bleibt und wer nicht. Ob die Unabhängigkeit, auf der Moja Rowa von Anfang an bestand, das überlebt, ist eine Frage, die Benedikt Sittler und Yelena Mojarova bislang nicht beantwortet haben. Die Marke auch nicht.


Häufige Fragen zu Benedikt Sittler

Wer ist Benedikt Sittler?

Benedikt Sittler, 1987 geboren und in Stuttgart aufgewachsen, ist Modedesigner und Mitgründer der Marke Moja Rowa. Er ist der Sohn des Schauspielers Walter Sittler und der Dokumentarfilmerin Sigrid Klausmann. Nach einem Studium am Istituto Europeo di Design in Mailand arbeitete er mehrere Jahre als Assistent des Creative Director im Studio von Vivienne Westwood in London, bevor er 2022 gemeinsam mit Yelena Mojarova Moja Rowa gründete.

Was ist Moja Rowa?

Moja Rowa ist ein unabhängiges Modelabel, gegründet 2022 von Yelena Mojarova und Benedikt Sittler in der Region zwischen Marche und Emilia-Romagna in Norditalien. Das Label arbeitet mit Deadstock-Materialien, kleinen Kollektionsauflagen und manuellen Drucktechniken. Seit September 2025 ist Moja Rowa Teil des offiziellen Kalenders der Mailänder Modewoche.

Ist Benedikt Sittler der Sohn von Walter Sittler?

Ja. Benedikt Sittler ist das mittlere Kind und einzige Sohn von Walter Sittler und Sigrid Klausmann. Seine ältere Schwester Jennifer ist Schauspielerin, seine jüngere Schwester Lea-Marie Musikerin.


Die Angaben in diesem Artikel basieren auf verifizierten Quellen: WWD (Women’s Wear Daily), der Stuttgarter Zeitung, dem offiziellen Kalender der Camera Nazionale della Moda Italiana, der Fondazione Sozzani sowie der offiziellen Facebook-Seite von Walter Sittler.

Mathias Fuerst
Mathias Fuersthttps://bundestribune.de/
Mathias Fuerst ist Chefredakteur von Bundes Tribune. Er berichtet über Breaking News, Promi-Nachrichten, Technologie, Sport und alles, was in Deutschland und der Welt passiert.

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