In den vergangenen Jahren war oft seine Frau dort, wo Boris Becker selbst nicht hindurfte, zuletzt in einem Land, das ihn bis heute nicht einreisen lässt.
Im Mai 2026 stand Lilian de Carvalho Monteiro allein auf einer Bühne in London. Sie nahm einen Buchpreis entgegen, der eigentlich ihrem Mann gehörte. Boris Becker war nicht dort. Einreisen durfte er nicht.
Das war nicht neu. Schon während seiner Haft besuchte sie ihn regelmäßig im Gefängnis. In einem Interview mit Sat.1 beschrieb Becker später, wie schwer der Abschied danach jedes Mal war: „Das Schlimme ist dann, man möchte dann zusammen nach Hause gehen, zum Italiener und ein Glas Weißwein trinken.“ Sie durfte gehen. Er musste zurück in seine Zelle.
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Der Prozess, der die Beziehung öffentlich machte
Geboren wurde Monteiro am 29. April 1990 in Rom. Ihre Wurzeln liegen in São Tomé und Príncipe, wo ihr Vater Victor Monteiro als Verteidigungsminister diente. 2020 sagte er der „Bunte“ über seine Tochter: „Ihr Intelligenzquotient liegt weit über dem Durchschnitt. Es gibt nichts, was sie nicht weiß. Sie ist mein ganzer Stolz.“
Sie selbst studierte Politikwissenschaft an der Universität La Sapienza in Rom, bevor sie nach London zog. Dort machte sie mit 25 Jahren ihren Master in Afrikastudien, an der School of Oriental and African Studies. Seither arbeitet sie als politische Risikoanalystin, heute von Mailand aus, wo sie mit Becker lebt.
Bekannt wurde die Beziehung 2020, nachdem beide gemeinsam im Urlaub auf Ibiza gesichtet worden waren. Im Juni 2021 begleitete Monteiro Becker erstmals zu einem größeren öffentlichen Termin, einem Tennismatch in Wimbledon.
Vor dem Southwark Crown Court in London begann am 21. März 2022 der Prozess gegen Becker. Der Vorwurf: Er hatte während seiner Privatinsolvenz Vermögenswerte nicht ordnungsgemäß angegeben. Im April wurde er in vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Monteiro saß an jedem einzelnen Verhandlungstag im Gerichtssaal.
Anschließend verbrachte Becker 231 Tage in den Gefängnissen Wandsworth und Huntercombe. Im Dezember 2022 wurde er vorzeitig entlassen und nach Deutschland abgeschoben.
Was sie selbst über diese Jahre sagt
Nach außen beschreibt Monteiro ihre Beziehung gern als privat. Der „Vogue“ sagte sie im September 2024, kurz vor der Hochzeit, sie und Becker führten eine „absolut private Beziehung“ und teilten ihr Miteinander nur mit sehr nahestehenden Personen. Im selben Gespräch erklärte sie aber auch, was die Ehe für sie bedeutet: „Ich glaube, wir haben so viele Dinge gemeinsam durchgemacht, dass ich dadurch verstanden habe, was es bedeutet, jemanden in seinem Leben zu haben, mit dem man sein Leben teilen möchte.“
Ein Jahr später, im September 2025, wurde sie in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ deutlicher. Der Promi-Status oder die Tennis-Legende habe sie an Becker nie interessiert, sagte sie dort: „Ich wollte gerne den Mann hinter dem Image kennenlernen. Wer war er im Inneren?“
Im Juni 2026 erzählte sie im Schweizer Magazin „Interview by Ringier“, das „Bild“ für den deutschen Markt aufbereitete, wie oft sie gefragt worden sei, warum sie überhaupt bei Becker geblieben sei, als er nach der Haft mittellos dastand: „Er war pleite. Am Boden. Aber ich bin stolz auf uns. Boris ist ein sehr verlässlicher Mensch.“
Hochzeit, Geburt und ein neues Leben in Mailand
Geheiratet haben Becker und Monteiro am 14. September 2024, in der ehemaligen Abtei Cervara oberhalb von Portofino. Rund 85 Gäste waren dabei, darunter Beckers Söhne Noah und Elias aus seiner ersten Ehe.
Am 21. November 2025 kam Tochter Zoë Vittoria in Mailand zur Welt, für Becker das fünfte Kind, für Monteiro das erste. Zoës zweiter Vorname ist kein Zufall: „Vittoria ist die weibliche Form von Victor, dem Vornamen von Lilians Vater“, erklärte Becker gegenüber „Bild“. Die Geburt fiel auf den Tag vor Beckers eigenem Geburtstag.
Der Preis, den sie in London abholte
Den Preis bekam Becker für sein Buch „Inside: Gewinnen, Verlieren, Neu beginnen“, das er im September 2025 veröffentlicht hatte, geschrieben gemeinsam mit dem britischen Sportjournalisten Tom Fordyce. Es war, wie er selbst sagte, das erste Mal, dass er seine Geschichte mit eigenen Worten erzählte.
Acht Monate später wurde das Buch bei den Sports Book Awards im Kricketstadion The Oval als internationales Sportbuch des Jahres ausgezeichnet. Zur Verleihung nach London reisen durfte Becker wegen seiner Verurteilung von 2022 bis heute nicht. Also reiste Monteiro allein. Auf Instagram bedankte sich Becker anschließend bei seiner Frau, „die den Preis in meinem Namen im The Oval entgegennahm“, und schrieb, er sei sein Leben lang öffentlich beurteilt worden, „zuerst als Tennisspieler, später dann als Mensch. Manchmal fair, manchmal unfair, aber immer öffentlich.“
Über die Jahre seit dem Prozess sagt Monteiro: „Wir leben heute in einer völlig anderen Phase unseres Lebens. Wir mussten dafür kämpfen.“

