Andrew Mountbatten-Windsor: Verhaftet und vom König finanziert

Der ehemalige Prinz Andrew verlor 2025 alle royalen Titel und wurde im Februar 2026 verhaftet. Seither lebt er zurückgezogen auf dem Sandringham-Anwesen der königlichen Familie. Eine Anklage liegt bis heute nicht vor.


Knapp vier Monate nach seiner Verhaftung hat Thames Valley Police noch keine Anklage gegen den ehemaligen Prinzen Andrew erhoben. Nach Informationen der Times ist polizeiintern ungeklärt, ob ein königlicher Handelsgesandter überhaupt als Amtsträger im Sinne des britischen Strafrechts gilt. Unterdessen lebt Andrew Mountbatten-Windsor auf dem Landsitz seines Bruders in Sandringham, untergebracht und finanziert von der Krone.



Vollständiger NameAndrew Mountbatten-Windsor
Frühere TitelPrinz Andrew, Duke of York, His Royal Highness
Geburtsdatum19. Februar 1960, Buckingham Palace
Verhaftet19. Februar 2026, Sandringham, Norfolk
TatvorwurfAmtsmissbrauch (misconduct in public office)
StatusFreigelassen, Ermittlungen laufen
Aktueller WohnortMarsh Farm, Sandringham-Anwesen (Eigentum der Krone)

Wer ist Andrew Mountbatten-Windsor?

Er wurde am 19. Februar 1960 im Buckingham Palace geboren, als zweiter Sohn von Queen Elizabeth II. und Prinz Philip, jüngerer Bruder von König Charles III. Im Jahr 1982 diente er als Hubschrauberpilot im Falklandkrieg. Nach einer Marinekarriere von über zwanzig Jahren übernahm er von 2001 bis 2011 das Amt des britischen Sonderbeauftragten für internationalen Handel, mit Zugang zu vertraulichen Regierungsinformationen und hochrangigen politischen Gesprächspartnern weltweit.

Mit seiner Heirat 1986 erhielt er den Titel Duke of York. Die Ehe mit Sarah Ferguson wurde 1996 geschieden. Die beiden Töchter, Princess Beatrice und Princess Eugenie, behalten ihre royalen Titel, da König Charles die Aberkennung 2025 ausdrücklich nur auf den Vater beschränkte.


Verhaftung am Geburtstag: Was am 19. Februar 2026 geschah

An dem Morgen, an dem er 66 wurde, trafen sechs Zivilfahrzeuge der Thames Valley Police auf dem Sandringham-Anwesen in Norfolk ein. Rund acht Beamte in Zivilkleidung durchsuchten seinen damaligen Wohnsitz in Wood Farm. Gleichzeitig wurde Royal Lodge in Windsor, sein ehemaliges Zuhause in Berkshire, durchsucht.

Nach elf Stunden im Polizeirevier Aylsham kam er frei, ohne angeklagt zu werden. Assistant Chief Constable Oliver Wright erklärte, die Untersuchung sei eingeleitet worden. Man werde zu Fortschritten zu gegebener Zeit informieren, dies werde aber „voraussichtlich noch einige Zeit dauern.“


Was die Epstein-Akten zeigen

Die Vorwürfe betreffen seine Zeit als Handelsgesandter. Das US-Justizministerium veröffentlichte im Januar 2026 Millionen Seiten Dokumente aus den Epstein-Ermittlungen. Darunter befanden sich E-Mails, die laut BBC zeigen, dass er vertrauliche Regierungsdokumente an Jeffrey Epstein weiterleitete, obwohl dieser zu diesem Zeitpunkt bereits wegen sexueller Vergehen an Minderjährigen verurteilt war.

Die Chronologie aus den freigegebenen Akten:

  • 7. Oktober 2010: Er schrieb Epstein über bevorstehende offizielle Handelsreisen nach Singapur, Vietnam, Shenzhen und Hongkong
  • 20. November 2010: Sein damaliger Berater Amit Patel schickte ihm offizielle Reiseberichte dieser Missionen. Die Dokumente befanden sich fünf Minuten später in Epsteins Postfach
  • 24. Dezember 2010: Er sandte Epstein ein vertrauliches Briefing über Investitionsmöglichkeiten in der Helmand-Provinz, Afghanistan, einem Kriegsgebiet mit aktiv stationierten britischen Truppen

In seinem BBC-Interview von 2019 hatte er erklärt, den Kontakt zu Epstein Anfang Dezember 2010 abgebrochen zu haben. Die E-Mail vom 24. Dezember desselben Jahres widerspricht dieser Aussage. Handelsgesandte der britischen Krone unterliegen einer Verschwiegenheitspflicht über vertrauliche Informationen aus ihrer Tätigkeit.


Das Interview von 2019 und der erzwungene Rückzug

Sein Rückzug aus dem öffentlichen Leben begann bereits Jahre zuvor. Im November 2019 stellte er sich in der BBC-Sendung Newsnight den Fragen von Emily Maitlis und versuchte, seine Verbindung zu Epstein zu erklären. Der Auftritt wurde weithin als Fehlschlag bewertet und verstärkte die Zweifel, statt sie auszuräumen.

Wenige Tage später zog ihn Queen Elizabeth II. aus allen öffentlichen Aufgaben zurück. Im Januar 2022, kurz vor Beginn des Zivilprozesses von Virginia Giuffre, entzog sie ihm zudem seine militärischen Ehrenämter und royalen Schirmherrschaften. Damit hatte er seine öffentliche Rolle im Königshaus bereits drei Jahre vor der Titelaberkennung durch König Charles verloren.


Öffentlich entmachtet, privat weiterversorgt

Am 30. Oktober 2025 entzog König Charles III. seinem Bruder auf formellem Weg alle royalen Würden. Er verlor die Titel Prince und Duke of York, den Stil His Royal Highness sowie sämtliche Ehrungen, darunter die Order of the Garter. Es war das erste Mal seit 1917, dass einem britischen Prinzen sein Titel auf diese Weise aberkannt wurde.

Buckingham Palace ordnete zudem die Räumung von Royal Lodge an, dem 30-Zimmer-Haus auf dem Windsor-Anwesen, das er seit über zwanzig Jahren zu einem symbolischen Mietpreis bewohnt hatte. Im Februar 2026 bezog er Wood Farm auf dem Sandringham-Anwesen, ein Gebäude, das Prinz Philip zu Lebzeiten genutzt hatte. Im April 2026 zog er weiter nach Marsh Farm. Die Umzugskartons trugen den Aufdruck „HRH“, einen Titel, den er seit Oktober 2025 nicht mehr führt. Eine Erklärung dafür gab der Palast nicht ab.


Virginia Giuffre: Vorwürfe, Vergleich und posthumes Buch

Virginia Giuffre beschuldigte den ehemaligen Prinzen, sie als 17-Jährige im Jahr 2001 auf Veranlassung von Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell missbraucht zu haben. In ihrer posthum veröffentlichten Biografie „Nobody’s Girl“, erschienen am 21. Oktober 2025, schildert sie mehrere Begegnungen in London, darunter eine Situation, die sie als Orgie beschrieb. Maxwell habe ihr gesagt, sie solle für den Prinzen dasselbe tun wie für Epstein.

Giuffre starb im April 2025 durch Suizid. Sie war 41 Jahre alt und erlebte weder die Veröffentlichung ihres Buches noch die Titelentziehung ihres mutmaßlichen Täters.

2022 einigten sich beide Seiten auf einen zivilrechtlichen Vergleich. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll er rund zwölf Millionen Pfund gezahlt haben. Offiziell bestätigt wurde die Summe nie. Er erkannte an, dass Giuffre Opfer von Menschenhandel war. Ein Schuldeingeständnis war nicht Bestandteil des Vergleichs.


Yang Tengbo und der Spionagevorwurf

Yang Tengbo, auch bekannt als Chris Yang, ist ein chinesischer Geschäftsmann, den das britische Innenministerium im März 2023 auf Empfehlung des Inlandsgeheimdienstes MI5 des Landes verwies. Der Vorwurf lautete, er habe das Vertrauen des damaligen Prinzen genutzt, um im Interesse des chinesischen Staates zu agieren.

Yang war Mitgründer von Pitch@Palace China, der chinesischen Ableger von Mountbatten-Windsors Unternehmerinitiative. Er war autorisiert, im Namen des damaligen Herzogs Gespräche mit chinesischen Investoren zu führen. Ein Brief seines königlichen Beraters Dominic Hampshire, der 2021 bei einer Grenzkontrolle gefunden wurde, bezeichnete Yang als eine der engsten Vertrauenspersonen außerhalb des innersten Kreises.

Ein Sondergericht bestätigte die Ausweisung im Dezember 2024. Yang bestreitet jegliches Fehlverhalten.


Stand Juni 2026: Mehr Vorwürfe, keine Anklage

Die Untersuchung hat sich seit Februar ausgeweitet. Laut Polizeiangaben prüft Thames Valley Police nun auch mutmaßliche Sexualstraftaten und Korruptionsvorwürfe, sämtlich unter dem Straftatbestand des Amtsmissbrauchs. Die Polizei bat öffentlich um Zeugenaussagen; gesucht wird unter anderem nach einer Frau, die nach eigenen Angaben für sexuelle Zwecke in seine frühere Residenz in Windsor gebracht wurde.

Ende Mai 2026 bestätigte Thames Valley Police, dass eine frühere Kellnerin, die beim Royal Ascot 2002 tätig war, Vorwürfe erhoben hat. Diese werden als Teil der laufenden Untersuchung geprüft.

Gleichzeitig berichtete die Times, eine Polizeiquelle habe erklärt, es sei „nicht abschließend geklärt“, ob ein königlicher Handelsgesandter als Amtsträger im strafrechtlichen Sinne gelte und der Maßstab für Amtsmissbrauch damit überhaupt erfüllt sei. Ohne diese Grundlage ist eine Anklage möglicherweise nicht haltbar.

Seit Januar 2026 schweigt der ehemalige Prinz Andrew öffentlich. Er lebt weiter auf dem Familiensitz in Sandringham, finanziert von seinem Bruder, dem König, während die Ermittlungen ohne Anklage andauern.


Quellen: Thames Valley Police, BBC, Reuters, Associated Press, The Times, CNN, NBC News, CBC, The Independent, IBTimes UK, GB News, Britannica (aktualisiert Juni 2026), SIAC-Gerichtsdokumente (Yang Tengbo), US-Justizministerium (Epstein-Akten).

Mathias Fuerst
Mathias Fuersthttps://bundestribune.de/
Mathias Fuerst ist Chefredakteur von Bundes Tribune. Er berichtet über Breaking News, Promi-Nachrichten, Technologie, Sport und alles, was in Deutschland und der Welt passiert.

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