Ben Hanebuth gewann seinen ersten Profikampf und war danach verschwunden. Am 31. August 2019 stieg der Hannoveraner in der Swiss Life Hall in den Ring, im Schwergewicht, mit 18 Jahren. Er gewann. Bis heute, im Juni 2026, ist kein zweiter Kampf von ihm dokumentiert.
Sein Vater nahm den umgekehrten Weg. Frank Hanebuth, später Präsident der Hannoveraner Hells Angels, beendete Mitte der 1990er seine eigene Boxkarriere. Was danach folgte, beschäftigte Ermittler und Gerichte über Jahre. Beim Sohn ist es andersherum: Der eine Auftritt im Ring ist fast das Einzige, was öffentlich von ihm bleibt.
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Das Profidebüt in der Swiss Life Hall
An jenem Samstag im August 2019 lief in der Swiss Life Hall die erste Power FC Fight Night, unter dem Motto „Hannover kämpft“. Veranstalter war der Schweizer Benjamin Aebischer mit seiner Reihe Power FC aus Zürich. Auf dem Programm standen mehrere Kämpfe quer durch Boxen, Bare Knuckle, K-1, Muay Thai und MMA.
Hanebuth boxte im Schwergewicht und war einer der lokalen Namen des Abends. Sein Gegner kam aus Ungarn: György Kutasi. Das Ergebnis: Hanebuth gewann sein Debüt. Für das Power House Box Gym am Steintor war es ein guter Abend, denn auch der Hannoveraner Besir Ay holte dort einen Titel im Supermittelgewicht.
Wer ist Ben Hanebuth?
Der Nachname trägt in Hannover Gewicht. Ben Hanebuth ist der Sohn von Frank Hanebuth, dem früheren Präsidenten des Hells-Angels-Charters Hannover und einer der bekanntesten Rockerfiguren Deutschlands.
Vor dem Kampf stellte Frank Hanebuth, damals 54, seinen Sohn der Presse vor. Auf die Frage, wie er es als Profi schaffen wolle, antwortete der 18-Jährige knapp: „Wird.“ Mehr kam nicht. Sein Trainer Reza Zahirinasab vom Power House Box Gym attestierte ihm „Papas Pfund in den Händen“.
Ben Hanebuth im Überblick (Stand: Profidebüt 2019)
- Alter beim Debüt: 18 Jahre
- Größe: 1,90 Meter
- Gewicht: rund 109 Kilogramm
- Gewichtsklasse: Schwergewicht
- Gym: Power House Box Gym am Steintor, Hannover
- Trainer: Reza Zahirinasab
- Profidebüt: 31. August 2019, Swiss Life Hall
Der Gegner: ein Routinier aus Ungarn
Ein Debütsieg klingt gut. Was er taugt, hängt vom Gegner ab. György Kutasi, Jahrgang 1986 aus dem ungarischen Szekszárd, ist ein typischer Aufbaugegner. Solche Boxer reisen durch Europa und liefern jungen Profis die ersten Runden. Seine Bilanz fällt entsprechend aus: über die Jahre stehen bei ihm deutlich mehr Niederlagen als Siege, zuletzt eine lange Serie verlorener Kämpfe.
Für Hanebuth heißt das: ein sauberer, professioneller Auftakt, kein Aufsehen erregender Sieg gegen einen Topmann. So wurde der Kampf auch nie verkauft. Für ein Debüt vor heimischem Publikum passte er.
Der Vater: Frank Hanebuth
Die Boxgeschichte der Familie beginnt nicht beim Sohn. Frank Hanebuth, geboren am 21. September 1964 in Garbsen-Osterwald, boxte selbst zwischen 1991 und 1996 als Profi. Bens Debüt kam damit knapp 23 Jahre nach dem letzten Kampf des Vaters.
Nach dem Boxen kam das, was den Namen Hanebuth bekannt machte:
- 1995 wurde er Präsident des Hannoveraner Charters der Rockergruppe Bones.
- 1999 schloss er sich den Hells Angels an. Das Charter Hannover wuchs zum mächtigsten in Deutschland.
- 2001 verurteilte ihn ein Hamburger Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung, er saß drei Jahre.
- 2013 wurde er auf Mallorca festgenommen. Die spanische Justiz warf ihm die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor.
Der Prozess in Spanien begann im Januar 2023. Am 26. September 2023 sprach der spanische Nationale Gerichtshof ihn und zwölf Mitangeklagte frei, wie Reuters berichtete. Eine ausführliche Lebenschronik führt die Wikipedia.
Pikant ist das Timing: Als Ben im August 2019 in den Ring stieg, war sein Vater noch Beschuldigter in diesem Verfahren. Der Sohn boxte vor heimischem Publikum, während gegen den Vater in Spanien ermittelt wurde.
Was wurde aus Ben Hanebuth?
Nach dem 31. August 2019 ist von ihm als Boxer nichts mehr zu finden. Ein zweiter Profikampf ist in keiner Sportredaktion verzeichnet, keine weitere Kampfkarte, keine Meldung. Sein Profil bei der Boxdatenbank BoxRec existiert, bleibt aber ohne Fortsetzung.
Mehrere Erklärungen sind möglich:
- Die Corona-Pause. Ab 2020 stand der Kampfsport in Deutschland über Monate still. Wer da am Anfang seiner Laufbahn steht, verliert leicht den Anschluss.
- Andere Pläne. Vielleicht war das Boxen nie als lange Karriere gedacht, sondern als ein einzelner Auftritt.
- Eine Laufbahn ohne Schlagzeilen. Möglich ist auch, dass weitere Kämpfe schlicht keinen Pressewert hatten und deshalb nirgends auftauchen.
Belegen lässt sich keine der Varianten. Was bleibt, ist eine Profibilanz von einem Kampf und einem Sieg, seit fast sieben Jahren unverändert.
Bekannt durch den Vater
Wer den Namen heute sucht, findet den Sieg von 2019 und sonst wenig. Damit steht der junge Hanebuth dort, wo viele Kinder bekannter Eltern stehen: bekannter durch den Vater als durch das, was sie selbst getan haben. Frank Hanebuth machte sich über Jahrzehnte einen Namen, im Guten wie im Schlechten. Sein Sohn hat bislang einen einzigen dokumentierten Profikampf. Dass dieser eine Abend überhaupt erinnert wird, liegt vor allem an dem Namen auf der Hose.

