Luisa Ancelotti: Wer war Carlo Ancelottis erste Ehefrau?

Am 4. Mai 2022 weinte Davide Ancelotti auf dem Rasen des Bernabéu. Real Madrid hatte Manchester City in der Nachspielzeit zweimal getroffen, Benzema hatte in der Verlängerung vom Punkt verwandelt. Als die Journalisten ihn fragten, warum er weine, sagte er, es sei der Geburtstag seiner Mutter gewesen. Diese Frau hieß Luisa Ancelotti. Sie war Carlo Ancelottis erste Ehefrau, Mutter seiner beiden Kinder, seit knapp einem Jahr tot.



Steckbrief: Luisa Ancelotti

GeburtsnameLuisa Gibellini
Bekannt alsLuisa Ancelotti
Geboren4. Mai 1958, Medesano, Provinz Parma
Gestorben24. Mai 2021, Reggio Emilia
Ehe mit Carlo Ancelotti1983 bis zur Trennung 2008, Scheidung 2010
KinderKatia Ancelotti (geb. 1984), Davide Ancelotti (geb. 1989)

Aufgewachsen in der Provinz Parma

Luisa Gibellini wurde am 4. Mai 1958 in Medesano geboren, einem kleinen Ort in der Provinz Parma, Emilia-Romagna. Sie kannte Carlo Ancelotti seit ihrer Jugend, beide wuchsen in dieser Gegend auf. In den frühen Achtzigerjahren wurden sie ein Paar, während Carlo für die AS Roma spielte. 1983 heirateten sie. Die Hochzeitsbilder erschienen damals in mehreren großen Illustrierten.

Das Paar lebte auf einem Gehöft in Felegara, einem Weiler der Gemeinde Medesano. Dieser Ort blieb der Familienmittelpunkt, egal wohin seine Karriere ihn führte.


Sport war kein Hobby

Luisa Gibellini spielte Fußball, lange bevor Frauenfußball in Italien eine Selbstverständlichkeit war. Sie stand als Torwartin in mehreren Amateurvereinen, zu einer Zeit, als organisierter Frauenfußball in der Region kaum existierte.

  • Sie spielte Softball als Empfängerin, eine in der Provinz Parma wenig verbreitete Sportart.
  • Tennis spielte sie mit großer Leidenschaft und gab diese Leidenschaft mehreren Berichten zufolge an Carlo weiter.

Journalisten, die sie in den Neunzigerjahren auf Auswärtsreisen mit dem Parma Calcio begleitet hatten, erinnerten sich Jahrzehnte später noch an sie. Roberto Renga, Fußballjournalist bei der Gazzetta dello Sport, schrieb nach ihrem Tod: „Fröhlich, sympathisch, sportlich. Sie flog Carlo im Hubschrauber. Ich erinnere mich an einen Abend in Barcelona, wo wir Miró-Drucke kauften.“


Der Hubschrauber von Felegara

1999 machte Luisa Gibellini in Reggio Emilia ihren Pilotenschein. Sie war 41 Jahre alt. Carlo hatte gerade das Training beim FC Juventus übernommen.

Danach flog sie ihn. Erst nach Turin zu den Trainingseinheiten bei Juventus, später zu Milanello, dem Trainingszentrum des AC Mailand in der Lombardei. Die Autobahn von Felegara nach Mailand dauert an schlechten Tagen drei Stunden. Mit ihr als Pilotin war abends mehr Zeit für die Familie da.

Mit 41 Jahren einen Hubschrauberschein zu erwerben, weil der Beruf des Mannes eine tägliche Pendelstrecke schafft, die Familienzeit frisst, zeigt eine Eigeninitiative, die in den meisten Berichten als charmante Kleinigkeit abgehakt wird.

In den Jahren beim AC Mailand trat sie zudem als Gast in der RAI-Sendung „Quelli che il calcio“ auf, einem der bekanntesten Fußball-Talkformate des italienischen Fernsehens.


Katia und Davide Ancelotti

Katia Ancelotti kam am 18. April 1984 in Rom zur Welt, als Carlo noch das Trikot der AS Roma trug. 2004 nahm sie an der dritten Staffel von „Amici di Maria De Filippi“, dem bekannten Talentformat auf Canale 5, als Sängerin teil. Die Teilnahme endete früh. Heute lebt Katia in Madrid, führt die Modemarke Debate Clothing und besitzt die Tenuta Il Poggio in Felegara, das Gehöft, auf dem sie aufgewachsen ist. Seit 2014 ist sie mit Beniamino Fulco, einem Ernährungsberater aus Kampanien, verheiratet. Die beiden haben drei Kinder: Alessandro, Andrea und Aurora.

Luisa Ancelottis Sohn Davide kam am 22. Juli 1989 in Parma zur Welt. Luisa Gibellini war zwei Monate zuvor noch hochschwanger, als Carlo in Barcelona das Europapokal-Finale bestritt. Davide sagte das später selbst. Nach einer kurzen Spielerkarriere beim AC Mailand wechselte er mit 20 Jahren ins Trainergeschäft und ist seit 2012 fester Bestandteil des Stabs seines Vaters. Seine Zwillingssöhne Lucas und Leonardo kamen im Januar 2019 in Neapel zur Welt, als Davide dort mit Carlo arbeitete. Luisa Gibellini kannte ihre Enkel noch. 2022 heiratete Davide die spanische Künstlerin Ana Galocha.


Die Scheidung und die Jahre danach

2008 trennten sich Luisa Gibellini und Carlo Ancelotti im gegenseitigen Einvernehmen. Damals trainierte Carlo Chelsea in London. Die Scheidung wurde 2010 beim Gericht in Parma offiziell abgeschlossen.

Sie kehrte in die Gegend um Medesano zurück, gab kein Interview und war öffentlich nicht mehr zu finden. Die Gazzetta di Parma notierte in ihrem Nachruf, sie habe bis zuletzt viele Freundschaften in der Region gepflegt. Eine neue Beziehung wurde öffentlich nie bekannt.


Luisa Ancelottis Krankheit und Tod

Luisa Gibellini kämpfte laut übereinstimmenden Berichten jahrelang gegen eine schwere degenerative Erkrankung. Die genaue Diagnose machte die Familie nie öffentlich.

Am Sonntag, dem 23. Mai 2021, verlor Everton in der Premier League 5:0 gegen Manchester City. Carlo Ancelotti saß als Trainer auf der Bank. Kurz nach dem Abpfiff, als er erfuhr, dass sich ihr Zustand drastisch verschlechtert hatte, bestieg er einen Privatjet nach Italien.

Als Luisa Ancelotti in der Nacht auf den 24. Mai 2021 im Krankenhaus von Reggio Emilia starb, war sie 63 Jahre alt.

Die Gazzetta di Parma, die Lokalzeitung der Region, veröffentlichte einen Nachruf und schrieb, sie sei für ihre Leidenschaft für Sport bekannt gewesen und habe den Kontakt zu ihrem Heimatort nie verloren. Der Koordinationsrat der Parma-Fanklubs sprach der Familie sein Beileid aus. Toffee TV, der Everton-Fansender, richtete öffentlich Worte des Beileids an die Familie.


Zweiunddreißig Jahre, auf den Tag

Am 24. Mai 1989 spielte Carlo Ancelotti das Finale des Europapokals der Landesmeister im Camp Nou in Barcelona. Der AC Mailand schlug Steaua Bukarest 4:0. Luisa Gibellini war hochschwanger. Davide, ihr Sohn, der zwei Monate später in Parma zur Welt kam, sagte Jahrzehnte danach, er sei an diesem Abend im Bauch seiner Mutter gewesen.

Am 24. Mai 2021 starb Luisa Gibellini in Reggio Emilia. Zweiunddreißig Jahre nach diesem Abend. Auf den Tag.

Knapp ein Jahr danach, am 4. Mai 2022, dem Abend des Champions-League-Halbfinales im Bernabéu, sprach Davide mit Radio Cope. La Gazzetta dello Sport zitierte ihn: „Es war der Geburtstag meiner Mutter. Das war für uns beide ein sehr besonderer und bewegender Abend.“

Luisa Gibellini hat keine eigene Wikipedia-Seite. Fast jeder Text, der je über sie erschienen ist, trägt am Anfang den Namen eines anderen. Die wenigen, die sie persönlich kannten, erinnerten sich an eine Frau, die Fußball spielte, als das kaum möglich war, die Hubschrauber flog, weil es sinnvoll war, und die zurückblieb, als der Lärm aufhörte.

Mathias Fuerst
Mathias Fuersthttps://bundestribune.de/
Mathias Fuerst ist Chefredakteur von Bundes Tribune. Er berichtet über Breaking News, Promi-Nachrichten, Technologie, Sport und alles, was in Deutschland und der Welt passiert.

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