Nastassja Schell ist die einzige Tochter des Schauspielers Maximilian Schell, der 1962 den Oscar für „Das Urteil von Nürnberg“ gewann. Im September 2023 sagte die heute 37-Jährige in Interviews mit der „Bunte“, RTL und der „Bild“, ihr Vater habe sie als Kind sexuell missbraucht. Maximilian Schell ist im Februar 2014 gestorben und kann sich zu den Vorwürfen nicht mehr äußern. Kurz zuvor hatte bereits ihre Cousine Marie Theres Relin, die Tochter von Maria Schell, Missbrauchsvorwürfe gegen den Onkel erhoben.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
- Geboren: 1989
- Eltern: Maximilian Schell (1930 bis 2014) und die russische Schauspielerin Natalja Andreitschenko
- Halbbruder: Dimitri Schell, Sohn ihrer Mutter und des Komponisten Maxim Dunajewski
- Filme: „Meine Schwester Maria“ (2002), „Die Rosenkönigin“ (2007)
- Familie: Mutter einer Tochter
Was Nastassja Schell ihrem Vater vorwirft
Relin schreibt in ihrem Buch „Szenen keiner Ehe“, ihr Onkel habe sie mit 14 Jahren missbraucht. Einen Namen nennt sie nicht, doch „Bild“ und RTL bezogen die Passage auf Maximilian Schell. Die „Bunte“ zitierte Ende September 2023 vorab aus dem Buch. Zwei Tage später sprach Nastassja Schell öffentlich über ihre eigene Kindheit.
Ihrer Schilderung nach, über die auch der ORF berichtete, begann der Missbrauch in ihrer frühen Kindheit, als ihre Eltern bereits getrennt lebten, und zog sich über Jahre. Zu den Berührungen sei es jeden Abend gekommen, sagte sie RTL. „Also ich dachte, das ist normal.“ Heute wisse sie, dass es das nicht war. In der „Bild“ erzählte sie, ihr Vater habe ihr immer wieder gesagt, früher sei es üblich gewesen, dass Väter ihre Töchter entjungfern.
Mit 18 Jahren sprach sie nach eigenen Angaben in der Familie darüber. „Nur haben mich alle mundtot gemacht.“ Auch ihrer Mutter habe sie davon erzählt, die aber „nur mit den Schultern gezuckt“ habe. Den Grund für das Schweigen sieht sie im Geld ihres Vaters. „Man darf nicht vergessen, es haben mehrere Familien von meinem Vater gelebt“, sagte sie bei RTL.
Ihr Urteil über ihn fiel in den Interviews unterschiedlich aus. In der „Bild“ nannte sie ihn „Engel und Teufel“, und weiter: „Für mich hätte er vor Gericht gehört und Strafe büßen müssen.“ Bei RTL beschrieb sie ihn als den besten Mann, den sie kannte, „trotz allem, was er getan hat“.
Auch Iva Schell, die Witwe ihres Vaters, wusste nach Nastassja Schells Darstellung Bescheid. „Das habe ich ihr gesagt“, erklärte die Tochter bei RTL. Iva Schell bestritt das. Sie habe zum ersten Mal von den Vorwürfen gehört und sei „geschockt und erschüttert“, sagte sie der „Bild“. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur gab sie an, seit fast neun Jahren keinen Kontakt zu ihrer Stieftochter zu haben. Eine Reaktion von Natalja Andreitschenko ist nicht bekannt.
Aufgewachsen zwischen Kärnten und Los Angeles
Ihre Eltern lernten sich 1985 bei den Dreharbeiten zu „Peter der Große“ kennen, heirateten 1986 und ließen sich 2005 scheiden. Als 2002 bekannt wurde, dass die Ehe am Ende war, lebten beide laut „Bild“ schon seit Jahren getrennt. Die Mutter hielt sich meist in Moskau auf. Die Tochter wohnte beim Vater, auf der Familienalm im Kärntner Preitenegg oder in Los Angeles. Im selben Jahr war sie als Kind in „Meine Schwester Maria“ zu sehen, dem Dokumentarfilm ihres Vaters über seine Schwester Maria Schell.
Nach der Trennung lebte sie meist bei ihrer Mutter in Los Angeles. Im Oktober 2007 erzählte sie der Zeitung, sie sei als kleines Mädchen in der Schule gehänselt worden, weil die anderen glaubten, sie bekomme bessere Noten. Später ging sie in den USA aufs College. Weil ihr der Schauspielunterricht dort „ein bisschen fad“ geworden war, besuchte sie ihren Vater in Salzburg, wo er gerade den ARD-Film „Die Rosenkönigin“ drehte. Er bot ihr eine Rolle als Laborassistentin an. Über ihn sagte die damals 18-Jährige: „Er ist eher wie ein großer Bruder für mich.“ Erzogen habe sie vor allem die Mutter.
Das Erbe und der Streit mit Iva Schell
Maximilian Schell heiratete im August 2013 die Sopranistin Iva Mihanović, mit der er seit 2008 zusammen war. Nastassja Schell kam mit ihrer kleinen Tochter zur Hochzeit in Preitenegg. Ein knappes halbes Jahr später, am 1. Februar 2014, starb ihr Vater mit 83 Jahren in Innsbruck. Bei der Trauerfeier in Preitenegg eine Woche danach hielt sie laut „Abendzeitung“ eine Trauerrede, begleitet von ihrer Mutter und ihrer Tochter.
Schell hinterließ nach Angaben seiner Witwe nur einen Testamentsentwurf, den er nie unterschrieben hatte. Das Vermögen sollte zu gleichen Teilen an Iva Schell, an ihre Stieftochter und an deren Halbbruder Dimitri gehen. Nach einem Streit über die Aufteilung einigten sich die Erben Ende 2015. Die Tochter wohnte damals wie die Witwe auf der Alm, allerdings in einem anderen Haus. Viel Kontakt hätten die beiden nicht, sagte Iva Schell damals.
Als Iva Schell im April 2016 ein Kind von einem Großcousin ihres verstorbenen Mannes erwartete, fragte Nastassja Schell auf der Facebook-Seite der „Krone“: „Wieso gibt es Fotos von den beiden bei der Trauerfeier meines Vaters?“ Die Witwe antwortete, sie habe den Vater ihres Kindes zwar gekannt, aber erst im Herbst 2015 näher kennengelernt.
Wenige Monate später warf Nastassja Schell ihr in der „Bild“ Untreue während der Ehe vor. Am meisten habe sie verletzt, dass Iva Schell ihr keine Sekunde allein mit dem toten Vater gegönnt habe, berichtete die Zeitung. Beweise für die Untreue legte sie nicht vor. Iva Schells Managerin Marika Lichter nannte den Vorwurf in der „Krone“ „an den Haaren herbeigezogen“.
Auch um das Grab gab es Streit. Im Mai 2017 sagte die Tochter dem Schweizer „Blick“, nach einem Gerichtsbeschluss dürfe die Witwe die Grabstätte nicht mehr allein gestalten. Das sei für sie „eine große Genugtuung“. Iva Schell erwiderte in der „Bild“, es habe „weder eine Klage noch eine Verhandlung“ gegeben.
Das Jagdhaus in Oberpreitenegg
Zu ihrem Erbe gehörte ein Jagdhaus in Oberpreitenegg, nicht weit vom Familienhof. Maximilian Schell hatte es ab Mitte der Achtzigerjahre nach eigenen Vorstellungen bauen lassen und laut ORF Kärnten 15 Jahre lang selbst mitgearbeitet. Weil Schell ein Perfektionist gewesen sei, der sich nie zufriedengab, sei das Haus nie richtig bewohnt worden und kein Raum fertig, sagte Michael Kollmützer vom Auktionshaus Aurena dem Sender.
Um den Jahreswechsel 2020/21 ließ sie zunächst 290 Stücke aus dem Nachlass über Aurena versteigern. Iva Schell stellte damals in der Zeitung „Heute“ klar, sie verkaufe nichts davon, die Sachen gehörten ihr nicht, und mit der Stieftochter habe sie „so gut wie keinen Kontakt“. Auch das Haus wollte die Tochter abgeben, obwohl sie nach eigenen Worten schöne Erinnerungen damit verbinde. Als Jugendliche sei sie oft mit Freunden zum Feiern hinaufgekommen, erzählte sie der Vorarlberger Zeitung „Neue“.
Versteigert wurde das Jagdhaus Ende 2021 online, mit einem Startgebot von 215.000 Euro für rund 274 Quadratmeter Wohnfläche und einen Hektar Grund. Die Auktion endete am 18. Dezember. In der Pressemitteilung des Auktionshauses wird sie mit Erinnerungen an den Bau zitiert: „Papa war bei jedem Handgriff der Bauarbeiten mit dabei, hat alles mit dirigiert.“ Nach dem Kaminofen im Wohnzimmer habe er fünf Jahre lang gesucht. „Papa hat soviel Herzblut in dieses Haus gesteckt, es wäre schade, wenn es nicht bewohnt ist. Aber für mich allein ist es einfach zu groß“, sagte sie. Der neue Eigentümer könne dem Haus „den finalen Touch geben und dann sagen: wir haben das mit Maximilian Schell gemeinsam gebaut“.
Zur selben Zeit stellte sie den Stab, den ihr Vater 1978 als Jedermann in Salzburg verwendet hatte, für die ORF-Spendenaktion „Licht ins Dunkel“ zur Versteigerung. Das Jagdhaus wurde laut Aurena erfolgreich versteigert. Wer es gekauft hat und zu welchem Preis, ist nicht öffentlich bekannt.
Wolfsberg streicht Maximilian Schells Namen
In Wolfsberg im Lavanttal trug ein Verbund aus Kindergarten, Volks- und Mittelschule den Namen „Bildungswelt Maximilian Schell“. Der Schauspieler hatte die Schirmherrschaft wenige Monate vor seinem Tod übernommen. Nach Angaben seiner Witwe war es die letzte Unterschrift seines Lebens.
Nach den Berichten seiner Tochter und seiner Nichte ließ Bürgermeister Hannes Primus Anfang Oktober 2023 den Namen prüfen. Für ihn sei Maximilian Schell als Schirmherr für Kindergärten und Schulen „nicht mehr vorstellbar“, sagte ein Stadtsprecher der „Bild“. Der Gemeinderat stimmte am 16. November 2023 mit 30 zu 2 Stimmen für die Umbenennung. Seit dem 1. Dezember 2023 heißt die Einrichtung „Bildungswelt Wolfsberg“.
Iva Schell sprach zum zehnten Todestag im Februar 2024 bei Antenne Kärnten von einem Schatten auf dem Namen Maximilian Schell. Sie habe ihren Mann „ganz anders kennengelernt“.
Maximilian Schells Tochter hat sich in den drei Jahren seit ihren Interviews nicht mehr öffentlich geäußert.
Hilfe bei sexualisierter Gewalt
- Deutschland: Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch, 0800 22 55 530, kostenfrei und anonym
- Österreich: Frauenhelpline gegen Gewalt, 0800 222 555, rund um die Uhr

