Nathalie Hallervorden ist zurück auf der Bühne ihres Vaters

Die Tochter von Dieter Hallervorden arbeitete jahrzehntelang als Psychotherapeutin in New York und London. Heute gehört sie zur Leitung des Schlosspark Theaters in Berlin.

Nathalie Hallervorden ist eine deutsche Schauspielerin und ausgebildete Psychotherapeutin. Bekannt ist sie als Tochter von Dieter Hallervorden, doch ihr Werdegang führte sie jahrzehntelang weit weg von der Bühne, nach New York und London. Seit 2022 gehört sie zur Leitung des Schlosspark Theaters in Berlin-Steglitz.

Im Januar 2024 kehrte sie als Schauspielerin auf eine deutsche Bühne zurück. Zuvor hatte sie in diesem Beruf seit den 1980er Jahren nicht mehr gearbeitet.



Steckbrief

NameNathalie Hallervorden
Geboren1966 in West-Berlin
ElternDieter Hallervorden und Rotraud Schindler
BerufeSchauspielerin, Psychotherapeutin, Theaterleiterin
Aktuelle RollenCo-Intendantin Schlosspark Theater Berlin, Leiterin Mitteldeutsches Theater Dessau

Früh vor der Kamera

Geboren wurde sie 1966 in West-Berlin, als Tochter von Dieter Hallervorden und der Schauspielerin Rotraud Schindler. Vor der Kamera stand sie schon als Kind. Mit drei Jahren hatte sie eine kleine Rolle in der Filmkomödie „Mehrmals täglich“, die auch unter dem Titel „Darf ich Sie zur Mutter machen?“ in die Kinos kam. Die Kameraarbeit übernahm Michael Ballhaus, der später für Rainer Werner Fassbinder, Martin Scorsese und Francis Ford Coppola drehte. Mit neun war sie in Sketchen der Sendung „Nonstop Nonsens“ zu sehen.

Bekannt wurde sie als junge Frau durch die Fernsehserie „Der Untermieter“, auch „Die Nervensäge“ genannt. Die drei Hauptrollen blieben in der Familie: Vater Dieter spielte Willi Böck, Mutter Rotraud Schindler die Vermieterin Katharina Keller, und die damals 19-Jährige die Tochter Beatrix, genannt Trixie. Die 26 Folgen beruhten auf einer englischsprachigen Vorlage, die sie selbst ins Deutsche übertrug.

New York, London und ein zweiter Beruf

Nach dem Ende der Serie 1986 ging sie nach New York. Dort absolvierte sie eine dreijährige Schauspielausbildung und studierte daneben Politikwissenschaft, Psychologie und Theologie. 1990 kam sie nach Deutschland zurück und arbeitete als Therapeutin für Kriegsflüchtlinge. Die folgenden Jahre verbrachte sie überwiegend im Ausland, vor allem in London, wo sie als Psychotherapeutin an einem Krankenhaus arbeitete.

In ihre Behandlungen band sie regelmäßig Dramatherapie und Psychodrama ein. Beide Verfahren kommen aus dem Theater. Patienten stellen darin Szenen aus dem eigenen Leben nach, übernehmen Rollen und tauschen sie untereinander, während die Gruppe zuschaut oder mitspielt. Manches, was sich kaum erzählen lässt, wird auf diese Weise sichtbar. Mit Bühnenmitteln hat sie also auch in den Jahren gearbeitet, in denen ihr Name in keinem Programmheft stand.

Die Rückkehr nach Berlin

2022 kehrte Nathalie Hallervorden nach Deutschland zurück. Sie ist verwitwet, und der Schritt fiel in eine Zeit nach einem persönlichen Verlust. Am Theater ihres Vaters fand sie eine neue Aufgabe.

Heute arbeitet sie am Schlosspark Theater in Berlin-Steglitz als Dramaturgin und Co-Intendantin. Das Haus führt Dieter Hallervorden seit 2007 als Intendant. Im September 2024 stellte sie gemeinsam mit ihm die Spielzeit 2024/25 vor. In ihrer Vita am Schlosspark Theater heißt es, sie freue sich, nach langer Zeit wieder als Schauspielerin zu arbeiten.

Zwei Häuser, eine Doppelrolle

Ihre Leitungsarbeit beschränkt sich nicht auf Berlin. In Dessau-Roßlau, der Geburtsstadt ihres Vaters, leitet sie das Mitteldeutsche Theater. Ein paar Eckdaten zu diesem Haus:

  • Eröffnung: 4. September 2022
  • Spielstätte: die Marienkirche in Dessau
  • Erste Spielzeit: mehr als 41.000 Besucher
  • Gründer: Dieter Hallervorden, Ehrenbürger der Stadt

Das Haus zeigt eigene Produktionen, Gastspiele und Lesungen. Das Theater sei eine Bereicherung für das kulturelle Leben der Stadt, findet Nathalie Hallervorden.

Zurück im Rampenlicht

Ihre Rückkehr ins Schauspiel geschah am Schlosspark Theater, im Ensemble der Komödie „Knapp daneben ist auch vorbei“, einer deutschen Fassung von Peter Quilters Stück „Glorious!“. Die Inszenierung entstand als Koproduktion mit den Schauspielbühnen Stuttgart. Sie spielte die einzige Figur, die der berühmt schlechten Sängerin Florence Foster Jenkins offen widerspricht und ihr eine Petition überreicht, sie möge das Singen lassen. Vom restlichen Ensemble wird sie dafür geschnitten. In einer Premierenkritik hieß es, man möge die Figur nicht, erkenne aber die Leistung der Schauspielerin an. Bei dem britischen Autor blieb sie: Im Mai 2025 feierte am Schlosspark Theater die deutschsprachige Erstaufführung von „Fisch sucht Fahrrad“ Premiere, diesmal in ihrer eigenen Übersetzung. Die Vorlage zur Serie „Der Untermieter“ hatte sie schon in den achtziger Jahren übertragen, ein Theaterstück übersetzte sie hier zum ersten Mal.

Einem großen Fernsehpublikum begegnete sie im September 2025 wieder. Die ARD zeigte zum 90. Geburtstag von Dieter Hallervorden die rund 90-minütige Dokumentation „Didi gegen den Rest der Welt“, in der erstmals die Familie ausführlich zu Wort kam. Eine Filmkritik bezeichnete Nathalie und ihren Halbbruder Johannes als das Herzstück des Porträts.

Die Spielzeit geht weiter

Im Mai 2026 feierte am Schlosspark Theater „Unkaputtbar“ Premiere, ein Programm, das Dieter Hallervorden zu seinem 90. Geburtstag selbst geschrieben hat und in dem er weiterhin auf der Bühne steht. Mitverantwortet wird das Haus, in dem er gefeiert wird, inzwischen von seiner Tochter. Die Verfahren, mit denen sie jahrzehntelang als Therapeutin gearbeitet hat, kommen aus dem Theater. Der Weg zurück auf die Bühne war für sie deshalb kürzer, als ihr Lebenslauf vermuten lässt.

Mathias Fuerst
Mathias Fuersthttps://bundestribune.de/
Mathias Fuerst ist Chefredakteur von Bundes Tribune. Er berichtet über Breaking News, Promi-Nachrichten, Technologie, Sport und alles, was in Deutschland und der Welt passiert.

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