Im Juli 2022 meldete sich ein Reporter von Business Insider bei Shivon Zilis. Seine Redaktion hatte in texanischen Gerichtsakten einen Antrag auf Namensänderung gefunden, und daraus ging hervor, wer der Vater ihrer Zwillinge war: Elon Musk. Der Text würde erscheinen. Bevor er das tat, ging Zilis zu Sam Altman und Greg Brockman.
OpenAI war damals eine gemeinnützige Organisation, und im Vorstand saß seit Januar 2020 eine Direktorin, die zugleich bei Musks Firma Neuralink angestellt war. Musk hatte OpenAI mitgegründet und über Jahre finanziert. Der Vorstand besprach den Fall und entschied, dass Zilis bleiben könne. Sie blieb bis März 2023. In diese Zeit fiel die Zustimmung zum Milliardeneinstieg von Microsoft. Zilis stimmte dafür. Vier Jahre später war dieser Einstieg Teil der Klage, mit der Musk vor ein Bundesgericht zog.
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Warum der Vorstand sie halten wollte
Zilis, heute 40, kam am 8. Februar 1986 in Markham bei Toronto zur Welt. Ihr Vater ist Kanadier, ihre Mutter stammt aus Indien und war als Austauschschülerin ins Land gekommen. In Yale studierte sie Wirtschaftswissenschaften und Philosophie und stand nebenbei im Tor der Eishockeymannschaft der Universität. Nach dem Abschluss 2008 ging sie zu IBM, zuletzt in ein Programm für Finanztechnologie in Schwellenländern.
Danach wurde sie Risikokapitalgeberin. Bei Bloomberg Beta, dem Frühphasenfonds des Medienhauses, investierte sie nach eigener Beschreibung in mehr als 40 Firmen aus dem Feld maschinelle Intelligenz. Forbes führte sie 2015 in der Liste „30 under 30“. Im selben Jahr wurde sie Fellow am Creative Destruction Lab in Toronto, wo sie mit Ajay Agrawal die Programmzweige für KI und neuronale Schnittstellen aufbaute. Diesen Posten hat sie bis heute.
Dann kam Musk. Erst beriet sie OpenAI, dann stand sie bei ihm auf der Gehaltsliste. Im Mai 2017 fing Zilis gleich zweimal an, bei Tesla als Project Director für Autopilot und Chipdesign und bei Neuralink als Director of Operations and Special Projects. Tesla verließ sie gut zwei Jahre später, bei Neuralink ist sie geblieben.
Als sie in den Vorstand von OpenAI einzog, arbeitete sie also seit knapp drei Jahren für Musk und beriet die Organisation seit fast vier. Auf LinkedIn steht als Selbstbeschreibung bis heute nur ein Halbsatz: maschinelle Intelligenz für gute Zwecke.
Der Werdegang im Überblick
| Zeitraum | Station |
|---|---|
| 2007 bis 2011 | IBM, zuletzt Finanztechnologie in Schwellenländern |
| 2011 bis Februar 2018 | Bloomberg, ab 2012 Partnerin bei Bloomberg Beta |
| April 2016 bis Dezember 2019 | Beraterin von OpenAI |
| Mai 2017 bis August 2019 | Project Director bei Tesla |
| seit Mai 2017 | Director of Operations and Special Projects bei Neuralink |
| Januar 2020 bis März 2023 | Vorstandsmitglied von OpenAI |
Die Vereinbarung, von der nicht einmal ihr Vater wusste
Wie es zu den Kindern kam, hat Zilis erst 2026 im Zeugenstand geschildert. Ende 2020 habe Musk ihr angeboten, Samenspender zu werden. Eine Beziehung habe dahinter zunächst nicht gestanden. Im November 2021 kamen die Zwillinge zur Welt, Strider Sekhar Sirius und Azure Astra Alice, gezeugt per künstlicher Befruchtung.
Vereinbart hatten die beiden vollständige Vertraulichkeit. Zilis begründete das vor Gericht mit dem Sicherheitsapparat, der Musk umgibt. Wer Bescheid wisse, trage diese Last mit, und solange er nur Spender sei, habe sie das niemandem zumuten wollen. Ihr eigener Vater erfuhr es aus der Berichterstattung.
Im Frühjahr 2022 ließ sie in Travis County in Texas die Namen der Zwillinge ändern. Über diese Akte kamen die Reporter auf die Geschichte.
Zwei weitere Kinder folgten. Tochter Arcadia wurde am 28. Februar 2024 geboren, öffentlich bekannt wurde das im Juni desselben Jahres. Sohn Seldon Lycurgus gab Zilis am 28. Februar 2025 selbst auf X bekannt, an Arcadias erstem Geburtstag. Ein Geburtsdatum nannte sie nicht.
Im Vorstand von OpenAI blieb sie nach dem Sommer 2022 noch acht Monate. Im Februar 2023 schrieb sie einer Freundin, es lasse sich nichts machen, wenn der Vater der eigenen Kinder ein Konkurrenzprojekt starte und dort Leute abwerbe. Wenige Wochen später legte sie ihr Mandat nieder. Im Sommer gründete Musk xAI.
Drei Versionen derselben Jahre
2024 klagte Musk gegen Altman, Brockman, OpenAI und Microsoft. Aus der gemeinnützigen Idee, die er mitfinanziert habe, sei ein Geschäft geworden, und darüber sei er getäuscht worden. Zilis war zunächst Mitklägerin und zog sich 2025 aus dieser Rolle zurück. Am 6. Mai 2026 stand sie als Zeugin vor dem Bundesgericht in Oakland. Ihr Anwalt hatte beantragt, die Aussage nicht übertragen zu lassen, und auf Sicherheitsrisiken für sie und die Kinder verwiesen. Die Richterin lehnte ab. NBC News notierte, dass sie ungewöhnliche Formulierungen wählte und gelegentlich sarkastisch wurde.
Musk sagte aus, er habe OpenAI zeitweise unter das Dach von Tesla holen wollen. Altman habe er dafür einen Sitz im Tesla-Vorstand angeboten.
Brockman sagte, von den Kindern habe er aus Medienberichten erfahren. Er habe darauf vertraut, dass Zilis den Interessenkonflikt selbst regele.
Zilis beschrieb sich als Bindeglied zwischen Musk, Altman, Brockman und Ilya Sutskever. Über die Rechtsform sei bis zum Überdruss diskutiert worden. Gefragt, wem ihre Loyalität gegolten habe, antwortete sie, es sei ihr um das bestmögliche Ergebnis der künstlichen Intelligenz für die Menschheit gegangen.
Aktenkundig ist außerdem eine Nachricht vom Februar 2018. Darin fragte Zilis Musk, ob sie OpenAI nahe bleiben solle, damit Informationen weiter flössen, oder sich besser zurückziehen. Geschrieben hat sie das knapp zwei Jahre vor ihrem Einzug in den Vorstand, zu einer Zeit, als sie schon für Tesla und Neuralink arbeitete.
Auseinander gingen die Angaben sogar bei der Frage, was die beiden füreinander sind. Verheiratet sind sie nicht. Musk nannte sie an verschiedenen Stellen Stabschefin, enge Beraterin und Mutter seiner vier Kinder, mit der er zusammenlebe. Zilis gab in ihrer Vernehmung an, er habe eine eigene Wohnung und sei eher häufiger Gast. Die Einzelheiten der Vereinbarung über die Samenspende kamen überhaupt nur durch dieses Verfahren an die Öffentlichkeit.
Der Prozess endete an einer Frist
Am 18. Mai 2026 brauchte die beratende Jury weniger als zwei Stunden. Die neun Geschworenen kamen einstimmig zu dem Schluss, dass Musks Ansprüche verjährt seien. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers übernahm den Spruch und wies die Klage ab, auch gegen Microsoft. Musk sprach auf X von einer Formalie im Kalender. Sein Anwalt kündigte Berufung an.
Ob eine Direktorin in dieser Lage im Vorstand einer gemeinnützigen Organisation hätte sitzen dürfen, war nicht Gegenstand des Urteils.
Was Zilis bei Neuralink macht
Bei Neuralink arbeitet die Managerin seit über neun Jahren und verantwortet Betrieb und Sonderprojekte.
Im Mai 2026 veröffentlichte das Unternehmen auf X das Video einer Teilnehmerin namens Audrey, die nach einem Autounfall vom Hals abwärts gelähmt ist. Als erste Frau in den klinischen Studien malt sie mit dem Implantat wieder. Ein anderer Teilnehmer setzte seine Unterschrift, und sie ähnelte seiner früheren Handschrift. Ende Juni gelang es dem Team erstmals, die Elektroden durch die harte Hirnhaut zu setzen, ohne sie zu durchtrennen. Das sei bei Neuralink lange ein Wunsch gewesen, schrieb Zilis dazu. Im Juli folgte ein Video, in dem Studienteilnehmer einen Elektrorollstuhl per Gedanken steuern. Erst habe man Menschen die Kontrolle über den Computer zurückgegeben, kommentierte sie, jetzt gehe es um Bewegung in der realen Welt.
Auf X, wo ihr mehr als 500.000 Menschen folgen, teilt sie diese Ergebnisse regelmäßig. Zum Urteil aus Oakland hat sie sich bis heute nicht geäußert. Hat die angekündigte Berufung Erfolg, säße sie wieder im Zeugenstand.

