Wer ab Sonntag den Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) ablegt, kann den Schreibteil nicht mehr ausfallen lassen. Am 1. November 2026 tritt eine Änderung der Integrationskurstestverordnung in Kraft, die am 20. Oktober im Bundesgesetzblatt erschienen ist. Für das Gesamtergebnis B1 reicht es künftig nicht mehr, im Sprechen und in einem der beiden schriftlichen Teile B1 zu erreichen. Der dritte Prüfungsteil muss jetzt mindestens auf dem Niveau A2 liegen.
Das Bundesinnenministerium begründet die Verschärfung mit Betrug. Laut dem Referentenentwurf hatten Prüflinge Aufgaben und Lösungen illegal im Internet gekauft, sie im Teil „Hören und Lesen“ angekreuzt und den Schreibbogen leer abgegeben. Nach der alten Regel genügte das für ein B1-Zertifikat, solange auch das Sprechen auf B1-Niveau lag.
Der DTZ schließt die meisten Integrationskurse ab und spielt unter anderem bei der Niederlassungserlaubnis eine Rolle. Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge legten ihn 2025 insgesamt 318.550 Menschen ab. 175.193 von ihnen erreichten B1, das sind 55 Prozent. 102.663 kamen auf A2, 40.694 blieben darunter. Bei denen, die den Test zum ersten Mal schrieben, sank die B1-Quote laut einer Antwort der Bundesregierung von 68,9 Prozent im Jahr 2023 auf 54,4 Prozent im Jahr 2025.
Welche Punkte braucht man im DTZ ab November?
An den Punktgrenzen selbst ändert sich nichts. Im Teil „Hören und Lesen“ gibt es 45 Aufgaben mit je einem Punkt. B1 beginnt bei 33 Punkten, A2 bei 20. Im Schreiben sind höchstens 20 Punkte möglich, B1 gibt es ab 15, A2 ab 7. Im Sprechen liegt die B1-Grenze bei 75 von 100 Punkten. Wer im Sprechen unter A2 bleibt, bekommt überhaupt kein Zertifikat.
Für eine Teilnehmerin, die im Hören und Lesen und im Sprechen stark ist, heißt das konkret: Sie braucht im Brief mindestens 7 Punkte. Das ist kein hohes Niveau. Es setzt aber voraus, dass sie die 30 Minuten für den Schreibteil tatsächlich nutzt und den Brief vorher geübt hat.
Wo gehen im Schreiben die meisten Punkte verloren?
Die Schreibaufgabe nennt in Stichworten vier Leitpunkte, zum Beispiel den Grund des Schreibens oder das, was man vom Empfänger erwartet. Wie viele davon im Text vorkommen, entscheidet über die Punkte im Kriterium Aufgabenbewältigung. Wer nur zwei der vier Leitpunkte aufgreift, kommt dort auf höchstens drei von fünf Punkten. Meist passiert das, weil die Aufgabenstellung zu schnell gelesen wurde.
Ein zweites Risiko sind auswendig gelernte Musterbriefe. In einem Übungssatz des Testanbieters g.a.s.t. sollen Prüflinge ihrem Vermieter schreiben, weil die Fenster nicht richtig schließen und ein Anruf nichts bewirkt hat. Ein vorbereiteter Brief über eine kaputte Heizung passt dazu nur zum Teil. Hat ein Text mit dem Schreibanlass kaum etwas zu tun, sehen die Bewertungskriterien in allen vier Bereichen null Punkte vor. Kurze Wendungen für Anrede, Einleitung, Bitte und Gruß sind dagegen nützlich, weil sie sich an jedes Thema anpassen lassen.
Dazu kommen formale Regeln, die Prüflinge unterschätzen. Gewertet wird nur, was auf dem Schreibbogen steht, Notizen im Aufgabenheft zählen nicht. Wer den Brief erst ins Heft schreibt und dann keine Zeit zum Übertragen hat, bekommt im Schreiben null Punkte. Anrede und Gruß verlangt die Aufgabe ausdrücklich. Geschrieben wird mit schwarzem oder blauem Kugelschreiber, Bleistift ist auf den Antwortbögen nicht erlaubt.
Warum muss man beim Hören nicht jedes Wort verstehen?
Im DTZ läuft jeder Hörtext nur einmal. Wer bei einem unbekannten Wort hängen bleibt, verpasst leicht die Stelle, nach der gefragt wird. Meist geht es um ein Detail wie eine Uhrzeit, einen Ort oder die Meinung einer Person. Die Aufgaben arbeiten dabei gezielt mit ähnlichen Angaben: In einer Bahnhofsdurchsage aus dem offiziellen Übungsmaterial fallen drei verschiedene Gleisnummern, richtig ist nur eine.
Vor dem vierten Hörteil bleibt eine Minute, um die Aussagen zu lesen, die den Sprechern zugeordnet werden sollen. Wer in dieser Minute die Schlüsselwörter markiert, weiß beim Hören, worauf er achten muss.
Beim Lesen stehen 45 Minuten für fünf Teile zur Verfügung. Wer zu lange an einer schwierigen Aufgabe sitzt, hat am Ende keine Zeit für die restlichen. Kleine Wörter wie „nicht“, „nur“ oder „außer“ verändern die Bedeutung eines Satzes und entscheiden oft zwischen richtig und falsch. Im zweiten Leseteil passt zudem zu einer Situation keine Anzeige, dann wird ein X markiert. Bewertet wird auch hier nur, was auf dem Antwortbogen steht.
Gilt die neue Regel auch für telc, Goethe und ÖSD?
Nein. Die Integrationskurstestverordnung betrifft nur den DTZ und den Test „Leben in Deutschland“. Prüfungen wie telc Deutsch B1, das Goethe-Zertifikat B1 oder das ÖSD-Zertifikat B1 folgen eigenen Prüfungsordnungen.
Großzügiger sind diese Prüfungen deshalb nicht. Das Goethe-Zertifikat B1, das das Goethe-Institut gemeinsam mit dem ÖSD und der Universität Freiburg in der Schweiz entwickelt hat, besteht aus vier Modulen. Jedes gilt erst ab 60 von 100 Punkten als bestanden. Die schriftlichen Module dauern ohne Pause etwa 165 Minuten, davon 65 Minuten Lesen, rund 40 Minuten Hören und 60 Minuten Schreiben. Wer sich hauptsächlich mit Grammatikregeln und Vokabellisten vorbereitet hat, ist auf diese Länge und auf die Paarprüfung im Sprechen oft schlecht eingestellt.
Woran erkennt man, ob man bereit für die Prüfung ist?
Ein einzelner gelungener Modelltest sagt wenig. Aussagekräftiger ist es, mehrere Probeprüfungen unter den echten Zeitvorgaben zu schreiben und die Ergebnisse über einige Wochen zu vergleichen. Für den DTZ stellt g.a.s.t. zwei kostenlose Übungssätze mit Audiodateien bereit. Die Lernplattform deutsch-vorbereitung bietet Übungen und Modelltests für DTZ, telc, Goethe, ÖSD und den Deutsch-Test für den Beruf, sortiert nach den Niveaus A1 bis B2. Nach einer kostenlosen Registrierung lassen sich die Übungen 24 Stunden lang ausprobieren, danach ist ein Abo nötig.
Nach jedem Probetest lohnt sich der Blick auf die Fehler. Bei einer falschen Antwort im Lesen sollte klar werden, ob ein Wort übersehen oder eine Aussage falsch verstanden wurde. Im Schreiben hilft eine Liste der Fehler, die immer wiederkehren, etwa bei der Satzstellung oder bei vergessenen Leitpunkten. Beim Sprechen zeigt eine kurze Sprachaufnahme, ob die Antworten verständlich und ausführlich genug sind. Wer im November oder später zum DTZ antritt, sollte außerdem sicher sein, dass der Brief in 30 Minuten zuverlässig die sieben Punkte erreicht, ohne die es kein B1 mehr gibt.

