Paul Gauselmann, Gründer der Merkur Group, ist in diesem Sommer verstorben. Als Unternehmer prägte er die deutsche Automatenwirtschaft über Jahrzehnte hinweg, von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Aus einem Einmannbetrieb in Ostwestfalen machte er Deutschlands größten Glücksspielkonzern, der Spielhallen, Spieleentwicklung und Automatenbau unter einem Dach vereint. Zum unverwechselbaren Markenzeichen wurde die lachende Sonne über den Eingängen.
Über Jahrzehnte hinweg etablierte sich die Marke im deutschen Straßenbild, lange bevor neue Onlineanbieter um die Gunst der Spieler warben. Sieben Stationen zeigen, wie aus einer Musikbox in einer Gaststätte ein Name wurde, den ganze Generationen kennen.
1934: Borghorst
Paul Gauselmann wurde 1934 in Borghorst bei Münster geboren. Im Alter von zwei Jahren verlor er seine Mutter und wuchs anschließend bei Verwandten auf.
Seine Kindheit war vom Krieg geprägt. Später erzählte er, dass ihm Spiele geholfen hätten, die Angst während der nächtlichen Luftangriffe zu ertragen.
1950 begann er eine Ausbildung im Fernmeldewesen. Damit legte er den Grundstein für ein Berufsleben, in dem Technik und Automaten bis ins hohe Alter eine zentrale Rolle spielen sollten.
1957: Espelkamp
Nach seiner Ausbildung arbeitete Gauselmann bei einem Unternehmen, das Wurlitzer-Musikboxen nach Deutschland importierte. Dort entwickelte er eine Fernwahleinrichtung für die Geräte. Bei Harting in Espelkamp leitete er bereits mit 26 Jahren die Abteilung für Automatenentwicklung.
Ab 1957 stellte er nebenberuflich eigene Musikboxen in Gaststätten auf. Sieben Jahre lang betrieb er dieses Geschäft parallel zu seiner Anstellung, bis er 1964 den Schritt in die vollständige Selbstständigkeit wagte. In Espelkamp, wo er zuvor bei Harting gearbeitet hatte, entstand daraus der Grundstein für die spätere Merkur Group.
1974: Delmenhorst und 1977: Merkur B
1974 eröffnete Gauselmann seine erste Spielhalle in Delmenhorst. Drei Jahre später folgte mit dem Merkur B der erste selbst entwickelte Geldspielautomat. Aus dem Automatenaufsteller wurde ein Hersteller, der Geräte und Spielhallen aus einer Hand anbot.
In den folgenden Jahrzehnten kamen Hunderte Patente hinzu. Merkur entwickelte sich vom reinen Automatenbetreiber zu einem Unternehmen mit eigener Entwicklungsabteilung und Produktion. Dann kam die lachende Merkur-Sonne hinzu, das Markenzeichen, das bis heute über den Filialen prangt und die Spielhallen des Konzerns in ganz Deutschland unverwechselbar macht.
Vertrauen wächst über Jahrzehnte
Merkur wurde bekannt, weil die Marke fast fünfzig Jahre lang im Straßenbild präsent war: in Innenstädten, an Ausfallstraßen und über den Eingängen von Spielhallen. Neuen Onlineanbietern fehlt diese Geschichte. Ihre Namen existieren häufig erst seit wenigen Jahren und sind im öffentlichen Straßenbild kaum präsent.
Genau deshalb versuchen, innerhalb kurzer Zeit das aufzubauen, wofür Merkur Jahrzehnte hatte. Sie setzen auf Boni ohne Einzahlung, auf Plattformen, die für Smartphones und Tablets optimiert sind, sowie auf eine breite Auswahl an Zahlungsmöglichkeiten, von der Kartenzahlung bis zur Banküberweisung.
Für Spieler ab 18 Jahren wirft ein unbekannter Name daher andere Fragen auf als eine vertraute Marke. Entscheidend ist, welches Unternehmen hinter dem Angebot steht, welche Bedingungen an einen Bonus geknüpft sind, welche Zahlungsmethoden zur Verfügung stehen und wie zuverlässig Auszahlungen letztlich erfolgen.
Eine Marke wie die lachende Sonne musste sich solchen Fragen kaum stellen, denn ihr Gründer stand selbst jahrzehntelang im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Ein neuer Onlineanbieter kann sich dieses Vertrauen nicht mit einem Bonus erkaufen. Er muss es sich durch Zuverlässigkeit verdienen, Jahr für Jahr und ohne Unterbrechung.
2003: Bundesverdienstkreuz und 2004: Ehrenbürgerwürde
28 Jahre lang stand Gauselmann an der Spitze des Verbands der Deutschen Automatenindustrie (VDAI). Damit übte er nicht nur als Unternehmer Einfluss aus, sondern auch als Vertreter einer gesamten Branche.
Fast drei Jahrzehnte lang war er auf diese Weise Sprachrohr der deutschen Automatenhersteller und vertrat ihre Interessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Sein Name stand in dieser Zeit für die gesamte Branche, nicht nur für Merkur und die eigenen Spielhallen.
Für sein unternehmerisches und gesellschaftliches Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, 2003 unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Ein Jahr später ernannten ihn Espelkamp und Lübbecke zu ihrem Ehrenbürger, zwei Städte, die eng mit seinem Lebenswerk verbunden sind.
2016: Familienstiftung und 2024: Rückzug aus der Führung
Schon lange vor seinem Tod stellte die Familie die Weichen für die Zukunft. 2016 wurden die Unternehmensanteile auf die Gauselmann-Familienstiftung übertragen, der die Merkur Group seither vollständig gehört. So soll der Konzern als Einheit erhalten bleiben, auch wenn künftig andere die Geschäfte führen.
Erst 2024 zog sich Gauselmann aus der Unternehmensführung zurück. Sein Sohn Michael übernahm den Vorsitz des Stiftungsvorstands. Damit vollzog sich ein Generationswechsel, auf den die Stiftung bereits acht Jahre zuvor die Weichen gestellt hatte.
Für ihn persönlich war das Kapitel damit jedoch noch nicht ganz abgeschlossen. Der Nachruf auf den Gründer der Merkur Group zeichnet das Bild eines Unternehmers, der auch im hohen Alter regelmäßig ins Büro kam. Dienstags und donnerstags verfolgte er noch lange das Tagesgeschäft.
2026
Paul Gauselmann starb an einem Freitag im August 2026 im Alter von 91 Jahren, wie das Unternehmen mitteilte. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) verbreitete die Nachricht bundesweit. Er hinterlässt seine Ehefrau, vier Söhne, neun Enkelkinder und sieben Urenkel.
Die Merkur Group, die er einst als Einmannbetrieb gründete, ist heute ein international tätiger Konzern mit rund 15.000 Beschäftigten, von denen etwa die Hälfte im Ausland arbeitet. Der Hauptsitz befindet sich weiterhin in Espelkamp, wo sein beruflicher Weg als junger Techniker bei Harting begann und wo der Konzern bis heute seine Produkte entwickelt.
Wie unterschiedlich die Lebenswege bedeutender Persönlichkeiten verlaufen können, zeigen auch weitere Porträts auf bundestribune.de, die den Werdegang bekannter Menschen nachzeichnen. Gauselmanns Geschichte führt vom Fernmeldelehrling zum Gründer eines Konzerns, der sich bis heute in Familienbesitz befindet.
Die Sonne über Espelkamp
Die Merkur Group bleibt im Besitz der Familienstiftung, während Entwicklung und Produktion in Espelkamp weiterlaufen. Die lachende Sonne hängt nach wie vor über den Spielhallen des Konzerns und ist heute genauso vertraut wie vor Jahrzehnten, als in Delmenhorst die erste Spielhalle ihre Türen öffnete.
Neue Onlineanbieter stehen dagegen erst am Anfang dieses Weges. Ihnen fehlt, was Merkur in fast fünfzig Jahren aufgebaut hat: ein Name, den Spieler über Generationen hinweg wiedererkennen, und eine Geschichte, die mit einer Musikbox in einer ostwestfälischen Gaststätte begann.

