Stasys Peschel, Milan Peschels Sohn, den kaum jemand kennt

Seit dem 3. September läuft „Vaterland“ von Paweł Pawlikowski in den deutschen Kinos. Im Mai hatte der Film im Hauptwettbewerb von Cannes den Regiepreis gewonnen. Er erzählt von Thomas Manns Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1949, als der Schriftsteller in Frankfurt den Goethepreis entgegennahm. An seiner Seite reiste die Tochter Erika. Der Sohn Klaus hatte sich wenige Monate zuvor das Leben genommen. Milan Peschel spielt in dem Film die Nebenrolle des Armin Schaufelberger, neben Sandra Hüller und Hanns Zischler.

Peschel selbst hat zwei Kinder: Stasys, geboren 1999, und Sofia, geboren 2001. Fotografiert wurden die beiden bei vier öffentlichen Anlässen, alle zwischen April 2012 und März 2015, alle im Umfeld der Arbeit ihres Vaters. In den Archiven der großen Bildagenturen findet sich danach keine Aufnahme mehr von ihnen.



Eine Familie, die vom Theater lebt

Milan Peschel, Jahrgang 1968, wuchs in Ost-Berlin auf, in Lichtenberg und Friedrichshain. Seine Mutter, eine Modejournalistin, zog ihn allein groß. Mit neun Jahren spielte er im Ferienlager seine erste Rolle und erzählte zu Hause, er wolle Schauspieler werden. Die Mutter suchte ihm daraufhin eine Kindertheatergruppe. Mit sechzehn begann er an der Deutschen Staatsoper eine Lehre als Theatertischler, anschließend arbeitete er als Bühnentechniker an der Volksbühne. 1991 wechselte er die Seite und studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Von 1997 bis 2008 gehörte er zum Ensemble der Volksbühne, in Inszenierungen von Frank Castorf und Dimiter Gotscheff.

Seine Frau Magdalena Musial, ebenfalls Jahrgang 1968, stammt aus Częstochowa in Polen. Sie arbeitet als Bühnen- und Kostümbildnerin, unter anderem für die Nationaloper in Warschau, das Mariinski-Theater in Sankt Petersburg und La Monnaie in Brüssel. Kennengelernt haben sich die beiden während des Studiums, zusammen sind sie seit 1993.

Der Abend im Friedrichstadt-Palast

Am 27. April 2012 gewann Milan Peschel den Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller. In Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“ spielt er einen Familienvater mit Hirntumor, der über den Verlauf des Films stirbt. Der Film war im Jahr zuvor in Cannes in der Reihe Un Certain Regard gelaufen und hatte dort den Hauptpreis gewonnen. In Deutschland kamen der Bayerische Filmpreis und der Preis der deutschen Filmkritik dazu.

Auf der Bühne des Friedrichstadt-Palasts standen an diesem Abend beide Kinder neben ihrem Vater, die Trophäe zwischen sich. Ein Fotograf von Getty Images hielt die Szene fest und notierte in der Bildunterschrift die Vornamen: Stasys und Sofia.

Es folgten drei weitere Termine. Im Dezember 2013 die Deutschlandpremiere von „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ im Zoo-Palast, im Januar 2014 die Premiere der Komödie „Nicht mein Tag“ im CineStar am Potsdamer Platz, im März 2015 die Weltpremiere von „Der Nanny“, bei der Peschel neben Matthias Schweighöfer vor der Kamera stand.

Ein Nachmittag in Prenzlauer Berg

Im Juli 2015 besuchte die Journalistin Julia Schaaf Milan Peschel für ein Porträt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Sie traf ihn zunächst bei einer Probe am Deutschen Theater, später führte er sie in seine Altbauwohnung in Prenzlauer Berg: Fischgrätparkett, Bücher in Mengen, die Küche ins Esszimmer hineingebaut.

Im Hausflur stellte er ihr seine beiden Kinder vor, zwei Teenager auf dem Weg zum Falafel-Laden. Schaaf beschrieb sie als höflich. Vornamen nennt der Text nicht, nur das Alter: vierzehn und sechzehn Jahre. Es ist die einzige Begegnung zwischen einem Journalisten und den Kindern des Schauspielers, die dokumentiert ist.

Während des Gesprächs schaute Peschels Mutter vorbei. Ob sie stolz auf den erfolgreichen Sohn sei, wurde sie gefragt. Nicht so sehr auf Beruf und Karriere, antwortete sie, sondern darauf, was für ein Mensch er geworden sei.

Was der Vater über Öffentlichkeit sagt

Über seine Kinder spricht Milan Peschel in Interviews so gut wie nie. Über den Rahmen, in dem er sie hält, hat er sich mehrfach geäußert. Familie sei das eigentliche Leben, sagte er 2015 der FAZ, Arbeit und Kunst kämen danach. Es seien die Menschen, „die einen auffangen und einen auf den Boden zurückholen“.

Im Sommer 2026 sagte er der Agentur teleschau, die sozialen Medien hätten nichts Soziales. Ein Instagram-Konto mit rund 26.000 Followern und eine Facebook-Seite mit rund 36.000 Followern führt er unter seinem Namen. Seine Kinder kommen darin nicht vor.

Gemalt statt fotografiert

Seit den späten achtziger Jahren malt Peschel. Angefangen hat er als Bühnentechniker mit Farbe auf Möbeln, später kamen Leinwände dazu, heute entstehen viele Porträts auf dem iPad. In der Wohnung in Prenzlauer Berg hängen die Bilder bis zur Stuckdecke: seine Frau im Profil, die Tochter blond und flächig, der Sohn als Kleinkind, der eigene Vater in drei kirschroten Köpfen auf jägergrünem Grund.

Auch Magdalena Musial malt. Gemeinsam stellen die beiden regelmäßig aus, zuletzt 2024 in Schwerin und 2025 in Bautzen.

Was heute bekannt ist

Stasys Peschel ist heute 27 Jahre alt, seine Schwester Sofia 25. Zu Beruf, Wohnort oder einer möglichen Tätigkeit im Film- und Theatergeschäft liegen von beiden keine öffentlichen Angaben vor. Ein Interview hat keiner der beiden je gegeben.

Ihr Vater bleibt in den kommenden Monaten sichtbar: „Vaterland“ läuft im Kino, im Herbst folgt die fünfte Staffel der ZDF-Serie „Doppelhaushälfte“.

Mathias Fuerst
Mathias Fuersthttps://bundestribune.de/
Mathias Fuerst ist Chefredakteur von Bundes Tribune. Er berichtet über Breaking News, Promi-Nachrichten, Technologie, Sport und alles, was in Deutschland und der Welt passiert.

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