Wer ist Tim Sweeney? Epic-Games-Chef, Fortnite und Vermögen

Tim Sweeney ist der Gründer und Chef von Epic Games, der US-Firma hinter dem Welterfolg Fortnite und der Unreal Engine. Der Programmierer, Jahrgang 1970, zählt mit einem von Forbes geschätzten Vermögen von rund 5,1 Milliarden Dollar zu den reichsten Köpfen der Spielebranche. Bekannt ist er außerdem für seinen langen Rechtsstreit gegen Apple und Google.

Seit 2020 prozessiert der Epic-Gründer gegen die zwei mächtigsten Konzerne der Tech-Welt. Sein Vorwurf war jedes Mal derselbe: Apple und Google nutzten ihre Kontrolle über den Vertrieb von Apps aus, um Entwicklern die Regeln vorzuschreiben. Gegen Google hat er gewonnen, gegen Apple steht er kurz davor. In denselben Jahren ist seine eigene Rolle in der Spielebranche aber deutlich größer geworden.



Wer ist Tim Sweeney?

Sweeney wuchs in Potomac im US-Bundesstaat Maryland auf, als jüngster von drei Brüdern. Das Programmieren brachte er sich als Jugendlicher selbst bei. Zwischen 11 und 15 saß er nach eigener Schilderung mehr als 10.000 Stunden am Computer. Ein Maschinenbaustudium an der University of Maryland brach er kurz vor dem Abschluss ab, weil seine kleine Spielefirma schneller wuchs als erwartet.

Diese Firma gründete er 1991 im Haus seiner Eltern. Aus ihr wurde Epic Games. Den Durchbruch brachte die Unreal Engine, eine Software, mit der andere Studios ihre Spiele bauen. Heute steckt sie hinter Hunderten großer Titel, darunter The Witcher 4 und das nächste Halo.

Fortnite und das große Geld

2017 brachte Epic Games Fortnite heraus, ein kostenloses Battle-Royale-Spiel, das zu einem der erfolgreichsten Titel der Branche wurde. Allein 2018 und 2019 setzte Fortnite laut Gerichtsunterlagen mehr als neun Milliarden Dollar um. Inzwischen sind über 650 Millionen Spielerkonten registriert.

Epic ist nicht börsennotiert. Sweeneys geschätztes Vermögen schwankt deshalb mit dem Wert der Firma. 2022 lag Epic bei 31,5 Milliarden Dollar. Im Februar 2024 stieg Disney mit 1,5 Milliarden Dollar ein und bewertete Epic damit mit 22,5 Milliarden Dollar. Sweeney selbst hält noch rund 20 Prozent der Anteile.

Privat lebt der Milliardär auffällig schlicht

Trotz seines Vermögens lebt der Epic-Chef bescheiden. Sweeney ist unverheiratet und hat keine Kinder. Ins Büro kommt er in Cargohose und T-Shirt, in seiner Freizeit wandert er gern. Der Mittfünfziger engagiert sich zudem für den Erhalt von Wäldern. Bis November 2025 kaufte er rund 20.000 Hektar Wald in North Carolina. 2021 spendete er rund 3.000 Hektar in den Bergen im Westen des Bundesstaats an eine Naturschutzorganisation, die größte private Landspende in der Geschichte North Carolinas.

Der lange Streit mit Apple

Im August 2020 baute Epic absichtlich ein eigenes Bezahlsystem in Fortnite ein, um Apples Provision von 30 Prozent zu umgehen. Apple warf das Spiel noch am selben Tag aus dem App Store, und Sweeney reichte Klage ein.

Zunächst lief es schlecht für Epic. 2021 entschied das Gericht in neun von zehn Punkten für Apple, und Anfang 2024 lehnte der Supreme Court die Berufungen beider Seiten ab. Ein Punkt blieb bestehen: Apple durfte Entwicklern nicht länger verbieten, in ihren Apps auf günstigere Bezahlwege außerhalb des App Stores hinzuweisen.

Apple erlaubte solche Links zwar, verlangte aber weiterhin 27 Prozent Provision. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers sah darin einen vorsätzlichen Verstoß gegen ihre Anordnung. Im April 2025 hielt sie fest, dass Tim Cook intern gewarnt worden war, dem Rat aber nicht gefolgt war. Über den Apple-Chef schrieb sie wörtlich: „Cook chose poorly.“ Einen Apple-Manager verwies sie wegen einer mutmaßlichen Falschaussage an die Staatsanwaltschaft.

Apple zog daraufhin erneut vor den Supreme Court. Für Ende Juni 2026 war dort die Beratung über die Annahme des Falls angesetzt, eine Entscheidung steht noch aus. Fortnite ist seit Mai 2025 wieder im US-amerikanischen App Store verfügbar.

Gegen Google ein klarer Sieg

Gegen Google verlief der Streit anders. Eine Jury befand 2023 einstimmig, dass der Konzern mit seinem Play Store ein illegales Monopol über Android-Apps betrieben hatte. Im März 2026 einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich, der den Play Store umbaut.

Die wichtigsten Punkte:

  • Google senkt die Standardprovision von bis zu 30 auf 20 Prozent, bei Abonnements auf 10 Prozent.
  • Konkurrierende App-Stores lassen sich künftig leichter auf Android installieren.
  • Fortnite kehrt weltweit in den Play Store zurück.

Die neuen Gebühren gelten in den USA, Großbritannien und der EU ab Ende Juni 2026. Sweeneys öffentliche Reaktion fiel knapp aus. Auf der Plattform X schrieb er nur: „THANKS GOOGLE!“

Die Frage, die noch offen ist

Sweeneys Argument vor Gericht lautete stets: Eine marktbeherrschende Plattform darf ihre Kontrolle nicht gegen Entwickler ausspielen. Die Gerichte gaben ihm recht. Doch seine eigene Unreal Engine ist eine andere Art von Macht als ein App Store. Ein App Store greift erst, wenn ein Spiel fertig ist. Eine Engine steckt dagegen im Spiel selbst. 2024 lief die Unreal Engine hinter rund 28 Prozent aller auf Steam veröffentlichten Spiele.

Im Juni 2026 stellte Sweeney auf dem Unreal Fest in Chicago die Unreal Engine 6 vor. Sie bringt eine neue Programmiersprache namens Verse, die das bisherige C++ ersetzen soll, und bindet KI-Modelle direkt in die Entwicklung ein. Sweeney rief Entwickler dazu auf, ein „Team Open“ zu bilden und ihre Spielwirtschaften zu verknüpfen, als Gegenentwurf zum geschlossenen System von Roblox.

Nicht alle ziehen mit. Das Indie-Studio hinter dem Hit Vampire Survivors will seine geplante Fortnite-Kooperation wegen Epics KI-Kurs überdenken. Im März 2026 hatte Epic zudem mehr als 1.000 Mitarbeiter entlassen. Sweeney räumte ein, die Firma gebe deutlich mehr aus, als sie einnehme.

Für die deutsche Spielebranche ist das nicht nebensächlich. Auf der Gamescom in Köln gehört Epic seit Jahren zu den großen Ausstellern, und viele Studios bauen ihre Spiele mit Sweeneys Werkzeugen. Er hat erreicht, dass Apple und Google den Entwicklern weniger vorschreiben können. Bei der Software, mit der diese Entwickler täglich arbeiten, sitzt er nun selbst am längeren Hebel. Damit hat sich bisher kein Gericht beschäftigt.

Mathias Fuerst
Mathias Fuersthttps://bundestribune.de/
Mathias Fuerst ist Chefredakteur von Bundes Tribune. Er berichtet über Breaking News, Promi-Nachrichten, Technologie, Sport und alles, was in Deutschland und der Welt passiert.

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