An seinem Geburtstag will Friedrich Merz mit Frau und Tochter zum Italiener gehen. Für den Abend war ursprünglich ein Konzert in der Berliner Philharmonie geplant.
Charlotte Merz will am Mittwoch nach Berlin kommen, zum Geburtstag ihres Mannes. Die 65-jährige Kanzlergattin ist Richterin und leitet das Amtsgericht Arnsberg. Im Sauerland ist sie geblieben, als Friedrich Merz im Mai 2025 Kanzler wurde.
Den Plan machte er am Freitagabend in Hagen öffentlich, bei einer Fragerunde zum 80. Geburtstag der „Westfalenpost“. Vormittags tage das Kabinett, am Nachmittag wollten seine Frau und eine der Töchter zu Besuch kommen. „Dann gehen wir abends schön zum Italiener zum Essen, und haben ein bisschen Zeit miteinander“, sagte Merz. Umgeplant habe er aus Rücksicht auf den Besuch, berichtete die dpa. Die gemeinsame Zeit mit einem Teil der Familie nannte er „ein wunderbares Geburtstagsgeschenk“.
Für Schlagzeilen sorgt der Abend, weil Merz nicht zur UN-Klimakonferenz COP31 ins türkische Antalya reist. Dort kommen am Mittwoch Dutzende Staats- und Regierungschefs zusammen. Klimaaktivistin Luisa Neubauer nannte sein Fernbleiben laut ZDFheute „das denkbar schlechteste Signal an die Weltgemeinschaft“. Für Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge ist es ein „peinliches Signal an die Welt“, wie sie der dpa sagte. Ein Regierungssprecher hatte am 4. November auf Nachfrage keine genauen Gründe genannt. Es gebe „immer verschiedene Interessen und verschiedene Terminlagen“, sagte er.
| Zur Person | |
|---|---|
| Geburtsname | Gass |
| Alter | 65 Jahre |
| Herkunft | Saarland, älteste von fünf Geschwistern |
| Studium | Jura in Bonn |
| Beruf | Richterin am Amtsgericht Arnsberg seit 1994, Direktorin seit 1. Juli 2016 |
| Ehe | seit Juni 1981 mit Friedrich Merz |
| Familie | drei Kinder, sieben Enkelkinder |
| Wohnort | Arnsberg im Hochsauerlandkreis |
| Kirche und Partei | evangelisch, CDU-Mitglied |
Inhaltsverzeichnis
Warum Charlotte Merz im Sauerland geblieben ist
Im Bundestagswahlkampf gab sie eigentlich keine Interviews. Für die „Westfalenpost“ machte sie Anfang Februar 2025 eine Ausnahme:
„Ich habe vor, mein Leben im Sauerland wie gewohnt weiterzuführen, mit meiner Arbeit als Richterin und Amtsgerichtsdirektorin. Ich möchte ganz normal jeden Morgen zur Arbeit fahren. Auch weil ich davon ausgehe, dass mein Mann deutlich weniger Zeit im Sauerland verbringen kann, wenn er Kanzler wird.“
Gut drei Wochen später sagte sie der „Bunte“: „Vermutlich werden wir in den nächsten Jahren weniger gemeinsame Zeit haben.“ In demselben Interview verwies sie auf Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer: „Meinen Sie, irgendjemand hat Professor Sauer gefragt, ob er aufhört, wenn seine Frau Bundeskanzlerin wird?“
Laut Geschäftsverteilungsplan für 2026 leitet sie das Gericht weiterhin. Arnsberg ist auch der Wohnort des Kanzlers geblieben. Nach dem Termin in Hagen fuhr er am Freitag die 70 Kilometer nach Hause.
Wie das Paar die Entfernung überbrückt, hatte sie im April 2024 der „Bild am Sonntag“ erzählt, als Friedrich Merz noch Oppositionsführer war. Man telefoniere „mindestens einmal am Tag“, meist abends, wenn er in seiner Wohnung oder im Hotel sei. In 44 gemeinsamen Jahren habe es „höchstens zehn Tage“ ohne Anruf gegeben.
Wie Charlotte Merz Richterin wurde
Sie wuchs als Älteste von fünf Geschwistern im Saarland auf, in einer Juristenfamilie: Vater und Großvater waren Anwälte, eine Tante war Richterin. „Mein Vater hat zu Hause häufig über Richter geschimpft“, erzählte sie in jenem Interview. Verlor er einen Prozess, waren in seinen Augen die Richter schuld. „Das Richterbild, welches mir vermittelt wurde, war also nicht unbedingt positiv.“
Studieren wollte sie in Bonn, obwohl auch Saarbrücken Universitätsstadt ist. Ihre Eltern hätten sie „liebevoll aus dem Nest geschubst“. In Bonn lernte sie im August 1980 auf einer Juristenparty Friedrich Merz kennen. Bei ihr sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, bei ihm habe es „ein bisschen länger“ gedauert. Im Juni 1981 heirateten die beiden, das erste Kind war schon unterwegs. Das erste Staatsexamen legte sie mit einem Kind ab, das zweite mit zwei. Gelernt habe sie „zwischen Schreib- und Wickeltisch“.
Für die Referendarzeit von Friedrich Merz zog die junge Familie nach Saarbrücken, wo vor allem ihre Mutter beim Kinderhüten half. Nach dem zweiten Examen arbeitete Charlotte Merz zunächst an der Universität, weil sich das mit inzwischen drei Kindern gut vereinbaren ließ. Als die Familie 1994 nach Arnsberg zog, wollte sie sich im dortigen Gerichtsbezirk als Anwältin anmelden und führte ein Gespräch mit dem Vizepräsidenten. „Er ermutigte mich, als Richterin zu arbeiten. Vier Wochen später erhielt ich meine Urkunde.“ Benachteiligt worden sei sie als Frau von Friedrich Merz nie: „Ich konnte meine Karriereschritte immer autark aufgrund meiner Leistungen machen.“
Am 1. Juli 2016 wurde sie als Direktorin des Amtsgerichts eingeführt. Arnsbergs damaliger Bürgermeister Hans-Josef Vogel sagte in seinem Grußwort, er kenne sie „schon seit weit über 30 Jahren“, aus der gemeinsamen Studienzeit in Bonn.
Neben der Leitung des Gerichts verhandelte sie 2024 weiterhin selbst Familiensachen, vor allem Scheidungen und Kindschaftssachen, oft mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen. „Wir Richter sind ja keine gefühllosen Automaten“, sagte sie. Fluggastrechte oder Verkehrsdelikte könne vielleicht irgendwann eine KI lösen. „Wenn es um Kinder geht, braucht es einen Menschen auf der Richterbank, mit Herz und Verstand.“
Grüße an ihren Mann im Gerichtssaal
Manchmal komme in einer Verhandlung jemand nach vorn an den Richtertisch, versuche ihr die Hand zu geben und sage „Ich bin auch in der CDU“ oder „Viele Grüße an Ihren Mann“, schilderte sie damals. Sie verabscheue solche Momente. „Was hat denn meine richterliche Tätigkeit mit der CDU zu tun? Gar nichts. Ich mache meine Arbeit, mein Mann seine.“
Briefe an Friedrich Merz, die in ihrem Büro landen, lese sie kurz an und werfe sie weg, wenn kein gerichtlicher Zusammenhang erkennbar sei. „Die Adresse seines Büros ist öffentlich bekannt.“ Bis dahin hatte er keine ihrer Verhandlungen besucht, und so sollte es auch bleiben: „Ich würde mich befangen fühlen, wenn mein Mann im Publikum sitzt. Ich sitze ja auch nicht bei Fraktionssitzungen auf der Zuschauerbank.“
Das Mikrofon auf dem Parteitag, das Kleid in Ankara
Für Aufsehen sorgte sie im Mai 2024 auf dem CDU-Parteitag in Berlin. „heute-show“-Reporter Lutz van der Horst fragte ihren Mann: „Leitkultur, das bedeutet doch auch, zu antworten, wenn man etwas gefragt wird?“ Charlotte Merz drückte die Mikrofonangel herunter. Weil der Reporter ein Ansteckmikrofon trug, war ihre Antwort trotzdem zu hören: „Leitkultur bedeutet, als Allererstes zu fragen, ob man eine Antwort geben möchte.“ Van der Horst konterte: „Aber wenn ich ihn frage, sagt er doch nein.“
Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands, nannte es im „Kölner Stadt-Anzeiger“ „eine Unverschämtheit“, dass sie Journalisten Benimmregeln beibringen wolle. Van der Horst sagte später in einem ZDF-Interview, er habe im ersten Moment gar nicht gemerkt, dass es Frau Merz war. Erst hinterher sei dem Team klar gewesen: „Das ist ja Gold.“ Im Juni 2026 schilderte er die Begegnung noch einmal in einem kurzen Clip der ARD, der auf YouTube rund 8,3 Millionen Aufrufe erreichte.
Auf Auslandsreisen des Kanzlers ist sie laut „Bild“ selten dabei. Zu den Ausnahmen gehörte der G7-Gipfel im französischen Évian im Juni 2026. Im Partnerprogramm besuchte sie dort eine Veranstaltung zum Schutz von Kindern im Zeitalter künstlicher Intelligenz.
Drei Wochen später, am Abend des 7. Juli, saß sie beim Dinner des Nato-Gipfels im Präsidentenpalast von Ankara neben Donald Trump, auf ihrer anderen Seite ihr Mann. Mit am Tisch saßen Gastgeber Recep Tayyip Erdoğan, Nato-Generalsekretär Mark Rutte und Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen unterhielten sich die Eheleute Merz mit Trump „weitgehend den gesamten Abend“ über Politisches und Privates.
Für das Erinnerungsfoto stand sie zwischen ihrem Mann und Rutte, in einem ärmellosen, hoch geschlitzten Cocktailkleid in Türkis. Emine Erdoğan und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen trugen dunkle, geschlossene Roben. Das Kleid stammt nach Recherchen der „Bild“ vom Münchner Label Talbot Runhof. Die Zeitschrift „Emma“ nannte den Auftritt auf X „ein starkes Statement“.
Am nächsten Tag folgte sie mit den Partnerinnen und Partnern der anderen Staats- und Regierungschefs einer Einladung von Emine Erdoğan. Für Charlotte Merz war es die zweite Reise nach Ankara. Den Antrittsbesuch ihres Mannes im Oktober 2025 hatte sie laut „Bild“ auf ausdrücklichen Wunsch der türkischen Präsidentengattin begleitet.
Drei Kinder, sieben Enkel
Das Paar hat drei erwachsene Kinder. Sohn Philippe ist Philosoph und leitet die Thales-Akademie in Freiburg, Tochter Constanze arbeitet als Chirurgin. Tochter Carola Clüsener ist Juristin; die „Bunte“ beschrieb sie als Staatsanwältin. Beide Töchter saßen am 6. Mai 2025 mit ihrer Mutter auf der Tribüne des Bundestags, als Friedrich Merz im ersten Wahlgang durchfiel und erst im zweiten gewählt wurde. Eine von ihnen will am Mittwoch mit nach Berlin kommen.
Großmutter wurde Charlotte Merz mit 46, inzwischen gibt es sieben Enkelkinder. Als Mutter sei sie strenger gewesen, sagte sie 2024. Bei den Enkeln sei sie „nur fürs Verwöhnen“ zuständig.
Wie lange sie Richterin bleiben will
Bis zur Pensionierung blieben ihr im Februar 2025 noch knapp drei Jahre, schrieb die „Bunte“. Schon 2024 hätte sie nach eigenen Worten mit Abschlägen in den Vorruhestand gehen können. Auf die Frage, ob sie an den Ruhestand denke, sagte sie damals: „Ich habe immer sehr gern gearbeitet und gehe auch jetzt noch jeden Tag gern ins Gericht. Warum sollte ich also aufhören?“

