Am 10. November treten die überarbeiteten Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Kraft, kurz ESRS. Die Europäische Kommission hat die gekürzte Fassung im Juli beschlossen, verpflichtend wird sie ab dem Geschäftsjahr 2027. Der Kreis der Betroffenen ist zugleich stark geschrumpft. Seit dem 18. März gilt die Berichtspflicht nach der CSRD nur noch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz. Nach der Folgenabschätzung der Kommission fallen damit rund 80 Prozent der bisher erfassten Unternehmen heraus.
Deutschland hat die Frist zur Umsetzung der Richtlinie im Juli 2024 verpasst. Der Regierungsentwurf liegt seit September 2025 beim Bundestag, im April hörte der Rechtsausschuss Sachverständige an, und Ende August erklärte die Bundesregierung, über den weiteren Zeitplan entscheide das Parlament. Bis zur Verabschiedung gelten die Regeln zur nichtfinanziellen Erklärung aus dem Jahr 2017 weiter.
Datenanfragen erreichen auch kleinere Betriebe
Wer unter den neuen Schwellen liegt, muss zwar keinen eigenen Bericht vorlegen, bekommt aber trotzdem Fragen zu seinen Umweltdaten. Berichtspflichtige Konzerne brauchen diese Angaben aus ihrer Lieferkette. Der Omnibus zieht hier eine Grenze: Unternehmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten dürfen Auskünfte ablehnen, die über einen freiwilligen Standard hinausgehen, den die Kommission im Juli gemeinsam mit den neuen ESRS verabschiedet hat. Der Deutsche Bauernverband hatte schon 2025 darauf hingewiesen, dass Höfe selten selbst berichten müssen, die Anforderungen ihrer Abnehmer aber deutlich zu spüren bekommen.
Große und kleine Unternehmen stehen damit vor derselben Aufgabe. Sie müssen wissen, welche Zahlen sie haben, woher diese stammen und wer sie geprüft hat. Oft soll eine eigens angeschaffte Software genau das leisten.
Was eine Plattform nicht beurteilen kann
Das Team von Covere2, einer Plattform für Nachhaltigkeitsberichte mit eigener Beratung, hält das für zu kurz gedacht. Ein Dashboard zeigt eine Energiekennzahl an; ob sie stimmt, kann es nicht beurteilen. Nach Erfahrung der Berater fällt das spätestens auf, wenn der Prüfer fragt, woher ein Wert stammt und wer ihn kontrolliert hat.
Welche Auswirkungen, Risiken und Chancen für das eigene Geschäft wesentlich sind, muss ein Unternehmen selbst entscheiden. Ebenso muss jemand klären, ob die Quelldaten tatsächlich gemessen wurden oder nur Branchendurchschnitte wiedergeben, wer intern für welche Angabe zuständig ist und welche Annahmen einer Prüfung standhalten.
Covere2 arbeitet deshalb mit geprüften Primärdaten und wissenschaftlich begründeten Methoden, auf Durchschnittswerte verzichtet das Team nach eigenen Angaben. Seit dem 27. September hat das auch rechtliches Gewicht. Seitdem ist die europäische Richtlinie 2024/825 gegen irreführende Umweltaussagen anzuwenden, und pauschale grüne Versprechen ohne Beleg sind für Unternehmen riskant geworden.
Vier Fragen vor dem Softwarekauf
Aus seiner Beratungspraxis empfiehlt Covere2, vor jeder Vertragsunterschrift diese Punkte zu klären:
- Zeigt eine Lückenanalyse, welche Anforderungen das Werkzeug erfüllen muss?
- Ist bekannt, welche Datenpunkte vorliegen, wer für sie verantwortlich ist und wie zuverlässig sie sind?
- Lässt sich jede verwendete Methode einem Prüfer nachvollziehbar erklären?
- Hilft das System, aus dem Bericht konkrete Verbesserungen abzuleiten?
Wer mit der Lückenanalyse beginnt, findet nach Beobachtung der Berater eher eine Plattform, die zum eigenen Betrieb passt. Wer mit einer Produktvorführung startet, richtet seine Abläufe häufig nach dem Programm aus.
Entstanden in Landwirtschaft und Lebensmittelbranche
Covere2 ging aus einem Forschungsprojekt hervor, das die Europäische Union über EIT Food kofinanziert hat. Die Universität Helsinki leitete es von 2023 bis 2025, beteiligt waren das Malta College of Arts, Science and Technology, Vitagora und der Softwaredienstleister ELEKS, der die Plattform heute technisch trägt. Entwickelt und erprobt wurde sie für Landwirtschaft und Lebensmittelbranche, inzwischen richtet sie sich an Unternehmen aller Branchen. Im wissenschaftlichen Beirat sitzen Forschende aus Helsinki, Belfast und Reading, außerdem Jens Strüker, Direktor des FIM Research Center for Information Management mit Standorten in Augsburg und Bayreuth.
Wie aus Messdaten eine Investition wird, zeigt Juntos Farm in Spanien. Covere2 hat dort ermittelt, welche Umweltwirkung der Energieverbrauch des Betriebs hat. Auf dieser Grundlage investierte die Farm in Solarenergie, und nach Angaben ihres Mitgründers Finn Harries kann sie heute belegen, was die neue Anlage bewirkt.

