Max Kruse spielt heute Oberliga in Hamburg und im Sommer in Las Vegas

Seit Januar 2026 steht Max Kruse beim TuS Dassendorf unter Vertrag, einem Oberligisten aus dem Hamburger Umland. Fünf Monate später saß derselbe Mann im Horseshoe in Las Vegas am Finaltisch der Razz Championship, eines der teuersten Turniere der World Series of Poker. Es ist eine ungewöhnliche Kombination, aber für Kruse ist sie nichts Neues. Er hat beides immer parallel betrieben, nur war die Reihenfolge früher umgekehrt.

Sein erstes Bundesligaspiel bestritt er am 29. September 2007 für Werder Bremen, beim 8:1 gegen Arminia Bielefeld, eingewechselt von Thomas Schaaf. Danach kamen der FC St. Pauli, Borussia Mönchengladbach mit 25 Toren und 22 Vorlagen in 77 Pflichtspielen, der VfL Wolfsburg, die Rückkehr nach Bremen mit 35 Toren in 95 Spielen, Fenerbahçe Istanbul und der 1. FC Union Berlin. 2013 berief Joachim Löw ihn erstmals in den A-Kader. Der Rest der Laufbahn verlief dann deutlich weniger geradlinig.

Vom Nationalmannschaftskader in die Hamburger Oberliga

Ende Januar 2022 kehrte Kruse zum VfL Wolfsburg zurück und unterschrieb bis Juni 2023. Ausgespielt wurde der Vertrag nicht. Es folgte der SC Paderborn bis November 2023, danach der BSV Al-Dersimspor in Hamburg von April 2024 bis Dezember 2025, und seit Anfang 2026 eben Dassendorf. Vom A-Kader in die Oberliga sind das etwa zehn Jahre und rund sechs Ligen abwärts.

Bemerkenswert ist weniger der Abstieg als die Tatsache, dass er überhaupt weiterspielt. Kruse hat öffentlich nie den Eindruck erweckt, er sei auf das Gehalt angewiesen. Er spielt in Hamburg, weil er in Hamburg wohnt und weil ihm das Spiel offenbar noch etwas gibt. Wer im deutschen Fußball dieser Tage über Kaderfragen und die Diskussionen rund um die WM-Kader 2026 liest, findet Kruses Namen dort seit Jahren nicht mehr. In den Ergebnislisten aus Las Vegas dagegen schon.

Das Armband von 2022

Kruses Pokerbiografie beginnt früher, als die meisten annehmen. Im Juni 2014 setzte er sich nach eigener Darstellung nahezu unvorbereitet an ein Turnier der World Series of Poker in der Variante No-Limit 2-7 Draw Lowball und wurde unter 241 Teilnehmern Dritter, was ihm gut 35.000 US-Dollar einbrachte. Damals war er noch Bundesligaprofi und bezeichnete das Spiel selbst als Hobby.

Der eigentliche Titel kam 2022 bei der World Series of Poker Europe. In einem Six-Handed-Turnier in No-Limit Hold’em mit 1.650 Euro Buy-in setzte er sich durch und gewann 134.152 Euro, sein bis dahin höchstes Preisgeld. Im selben Jahr stand er im Finale der Deutschen Poker-Meisterschaft und wurde dort Zweiter, was mit 48.764 Euro dotiert war. Ein Armband der WSOP hat er damit, anders als die meisten deutschen Spieler, tatsächlich vorzuweisen.

Was sich in Deutschland verändert hat, während er im Ausland spielte

In genau der Zeit, in der Kruse seine Turniererfolge sammelte, wurde das Spiel zu Hause neu geordnet. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 trat am 1. Juli 2021 in Kraft und machte Online-Poker und virtuelle Automatenspiele erstmals bundesweit erlaubnisfähig. Seit dem 1. Januar 2023 nimmt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder mit Sitz in Halle an der Saale die Aufsicht darüber vollständig wahr. Sie führt nach § 9 Absatz 8 des Staatsvertrags eine amtliche Liste der Anbieter, die eine Erlaubnis besitzen.

Diese Liste nennt allerdings nur die Erlaubnisinhaber, und zwar unter ihrem juristischen Firmennamen. Was für Spieler tatsächlich gilt, steht nicht darin. Wer nachvollziehen will, welche Online Spielotheken in Deutschland legal sind und welche Einsatz- und Einzahlungsgrenzen für sie verbindlich sind, braucht eine Übersicht, die den Erlaubnisstatus mit diesen Bedingungen zusammenführt. Zu diesen Auflagen gehört auch der Anschluss an das bundesweite Sperrsystem OASIS, über das sich eine Spielersperre eintragen lässt, die dann bei allen erlaubten Anbietern greift.

Für Kruse selbst spielt das eine untergeordnete Rolle, weil seine Ergebnisse aus Turnieren in Las Vegas und bei der europäischen Serie stammen, nicht aus dem deutschen Online-Markt. Der Unterschied ist trotzdem der Grund, warum das Spiel in Deutschland heute anders aussieht als zu dem Zeitpunkt, an dem er 2014 zum ersten Mal an einem WSOP-Tisch saß.

Sechster von 155 im Juni 2026

Der Sommer 2026 war sein bislang sichtbarster. Im Mai bot Kruse öffentlich Anteile an seinem WSOP-Programm an, eine im Turnierpoker übliche Form der Finanzierung. Im Juni erreichte er dann bei der Razz Championship mit 10.000 Dollar Buy-in den Finaltisch. 155 Teilnehmer hatten einen Preispool von 1.441.500 Dollar gebildet. Als noch acht Spieler übrig waren, lag Kruse mit 1.505.000 Chips auf dem drittgrößten Stapel und hatte mindestens 36.395 Dollar sicher.

Mit ihm am Tisch saß mit Philip Sternheimer ein zweiter deutscher Spieler, was bei einem Feld dieser Größe und dieses Buy-ins selten vorkommt. Razz ist dabei keine Variante für Gelegenheitsspieler. Gespielt wird Seven Card Stud um die niedrigste Hand, ohne Gemeinschaftskarten und ohne die Möglichkeit, mit einem einzelnen großen Einsatz Druck aufzubauen. Das Feld bei einer Championship in dieser Disziplin besteht fast ausschließlich aus Spezialisten.

Für das Armband reichte es dann nicht. Kruse schied als Sechster aus, den Titel holte sich der US-Amerikaner Calvin Anderson, der im Heads-up gegen Eric Rodawig 357.026 Dollar und sein sechstes Bracelet gewann. Kurz darauf stand Kruse im 50.000-Dollar Poker Players Championship am zweiten Tag, wenn auch als Shortstack mit 173.500 Chips, und spielte anschließend das Main Event. Drei Starts in den drei Wochen, in denen sich in Las Vegas entscheidet, wer als Turnierspieler ernst genommen wird.

In der Datenbank, die Turnierergebnisse weltweit erfasst, stehen für ihn inzwischen 53 Geldplatzierungen und 689.459 Dollar an Live-Preisgeldern, die jüngste davon am 11. Juli 2026 über 15.750 Dollar. Nachzusehen ist das in seinem Profil in der Hendon Mob Poker Database.

Das ist, gemessen an Bundesligagehältern, kein Vermögen. Gemessen an dem, was ein 38-Jähriger in der Oberliga Hamburg verdient, ist es eine zweite Laufbahn. Und im Gegensatz zur ersten hat sie kein festes Ablaufdatum. Turnierpoker kennt keine Altersgrenze, keine Leistungsdiagnostik und keinen Trainer, der einen aus dem Kader nimmt.

In Dassendorf läuft derweil die Saison. Der Verein spielt in der Oberliga Hamburg, fünf Ligen unter der Bühne, auf der Kruse 2007 angefangen hat, und er ist dort mit Abstand der bekannteste Name. Beides gleichzeitig zu betreiben, den Amateurfußball vor dreistelligen Zuschauerzahlen und die Turnierserie in Las Vegas, ergibt keine Karriereplanung, die sich jemand ausgedacht hätte. Es ergibt aber offenbar den Alltag, den er wollte.

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