Am 1. Oktober 2025 eröffnete das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren über die Gelsenkirchener Softwarefirma 5Minds IT-Solutions. Damit war für Nicole Parma Schluss in einem Unternehmen, bei dem sie zwölf Jahre zuvor eingestiegen war und das sie seit 2014 mitgeführt hatte. 35 Menschen arbeiteten dort. Im Januar 2026 wurde in Gelsenkirchen eine neue Gesellschaft eingetragen, mit ihr als alleiniger Geschäftsführerin.
Bekannt ist die 56-Jährige in Deutschland aus einem anderen Zusammenhang. Sie ist mit Steffi Jones verheiratet, der Weltmeisterin von 2003 und späteren Bundestrainerin. Über ihre eigene Arbeit hat sie öffentlich kaum gesprochen. Was dokumentiert ist, steht in Handelsregistern, in Gerichtsbekanntmachungen und im Impressum ihrer neuen Firma, der ProcessCube UG in Gelsenkirchen, die Software zur Prozessautomatisierung entwickelt.
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Von Frankfurt ins Revier
Angefangen hat sie 1988 mit einer Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Deutschen Bank. Sie beriet dort Privatkunden und leitete zuletzt eine Filiale, bis sie 2000 zur Zurich Insurance Company wechselte und sich bis zur Leiterin Bankenvertrieb hocharbeitete. Nebenher studierte sie von 2009 bis 2013 an der Fachhochschule Köln und machte einen Bachelor in Financial Services Management.
2013 hörte sie damit auf. Sie war 44, hatte 25 Jahre Finanzdienstleistung hinter sich und stieg im Oktober bei 5Minds ein, einem 2009 gegründeten Softwarehaus mit Sitz in Oberhausen. Ab 2014 gehörte sie zu den Gesellschaftern und führte die Geschäfte mit. 2015 verlegte die Firma ihren Sitz nach Gelsenkirchen, zwei Jahre später zog sie in die De-la-Chevallerie-Straße, auf altes Zechengelände. Das Paar lebt in Gelsenkirchen-Buer.
Die Firma, in der auch Steffi Jones gearbeitet hat
5Minds entwickelte Individualsoftware und eine Plattform namens ProcessCube, mit der sich Geschäftsprozesse nach dem BPMN-Standard modellieren und automatisieren lassen. Aus dem kleinen Betrieb von 2013 wurde ein mittelständischer Arbeitgeber.
Steffi Jones arbeitete dort mit. Auf ihrer eigenen Website listet sie die Stationen auf: OKR-Coach ab 2018, zwischendurch Vertrieb und Marketing, Leitung Organisationsentwicklung bis 2024.
Warum 5Minds nicht zu halten war
Am 7. Juli 2025 beantragte die Geschäftsführung Eigenverwaltung, also eine Sanierung in eigener Regie unter gerichtlicher Aufsicht. Das Amtsgericht Essen bestellte die Rechtsanwältin Tanja Bückmann zur vorläufigen Sachwalterin.
Die Gründe, die das Unternehmen selbst nannte, hatten mit dem Standort nichts zu tun. Große Kunden zahlten nicht, weil sie in eigenen Schwierigkeiten steckten. Klassische IT-Projekte wurden gestoppt, verschoben oder ins Ausland vergeben. Künftig wollte sich die Firma ganz auf ProcessCube konzentrieren. In der Mitteilung dazu kam auch die Geschäftsführerin zu Wort:
„Wir halten an unserem Konzept fest, an diesem ehemaligen Zechenstandort digitale Zukunft zu gestalten.“
Die Eigenverwaltung wurde auf eigenen Antrag hin wieder aufgehoben. Am 1. Oktober eröffnete das Gericht das reguläre Verfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung, Bückmann wurde Insolvenzverwalterin. Mitte November zeigte sie Masseunzulänglichkeit an. Das heißt: Was noch da ist, deckt voraussichtlich nicht einmal die Kosten des Verfahrens. Gläubiger bekommen dann wenig bis nichts.
Was aus den 35 Beschäftigten geworden ist, steht öffentlich nirgends. Der letzte offengelegte Jahresabschluss der Firma stammt aus dem Geschäftsjahr 2023.
Der Ablauf in Kürze
| Wann | Was |
|---|---|
| 7. Juli 2025 | Antrag auf Eigenverwaltung beim Amtsgericht Essen |
| 1. Oktober 2025 | Eröffnung des Insolvenzverfahrens, Aktenzeichen 161 IN 75/25 |
| Mitte November 2025 | Anzeige der Masseunzulänglichkeit |
| Januar 2026 | Eintragung der ProcessCube UG, HRB 19510 Amtsgericht Gelsenkirchen |
Drei Monate später
Im Januar 2026 wurde in Gelsenkirchen die ProcessCube UG eingetragen, Sitz Ressestraße 3. Das Impressum nennt seit März 2026 eine einzige Geschäftsführerin, und das ist Nicole Jones, wie sie mit Ehenamen heißt.
Der Firmenname war vorher der Produktname. Die GitHub-Organisation, unter der rund 90 Code-Bestände von 5Minds liegen, trägt heute den Namen der neuen Gesellschaft. Martin Möllenbeck, der die alte Firma zwölf Jahre lang neben ihr geführt hat, steht bei der neuen nicht in der Geschäftsführung. Auf LinkedIn bezeichnet er sich als Tech Lead.
Wie die neue Gesellschaft rechtlich mit der insolventen KG zusammenhängt, ist öffentlich nicht dokumentiert.
Was die Unterlagen hergeben
Aus ihnen lassen sich zwei Geschichten erzählen. Die eine handelt von einer Frau, die mit 44 einen sicheren Posten in Frankfurt aufgibt, ihr Geld in ein kleines Softwarehaus im Ruhrgebiet steckt, es nach zwölf Jahren verliert und mit 56 am selben Ort noch einmal anfängt. In der anderen läuft ein Geschäft weiter, während die Schulden im Verfahren bleiben.
Beides ist im Insolvenzrecht vorgesehen und kommt häufig vor. Für ein Fehlverhalten gibt es in den öffentlich einsehbaren Unterlagen keinen Anhaltspunkt. Welche der beiden Erzählungen näher an der Sache liegt, lässt sich von außen nicht entscheiden.
Die ProcessCube UG existiert seit Januar. Einen eigenen Jahresabschluss hat sie noch nicht vorgelegt.
Zur Person
| Name | Nicole Parma, im Handelsregister unter dem Ehenamen Nicole Jones |
| Alter | 56, Jahrgang 1969 |
| Beruf | Geschäftsführerin der ProcessCube UG, Gelsenkirchen |
| Privat | seit 2012 mit Steffi Jones zusammen, seit 2014 verheiratet, keine Kinder |
| Ehrenamt | seit 2017 im Vorstand eines Hundevereins in Gelsenkirchen-Buer |
Öffentlich aufgetaucht ist sie zum ersten Mal am 2. Februar 2013, beim Ball des Sports in Wiesbaden, an der Seite der damaligen DFB-Direktorin Steffi Jones. „Ja, wir sind ein Paar“, sagte Jones dort der Presse. Die Bild beschrieb ihre Begleitung als Bankerin aus Frankfurt, die Welt berichtete tags darauf. Einen Nachnamen bekam sie in den Artikeln von damals nicht.

