Sie schneidet in Monaco bis heute Haare und ist die Mutter von Formel 1 Fahrer Charles Leclerc. Was in den meisten Texten über sie fehlt, ist die Entscheidung, die diese Familie über Jahre treffen musste: wer von drei Söhnen fahren durfte, und wer warten musste.
Vor jedem Formel 1 Wochenende zu Hause in Monaco lässt sich Charles Leclerc von seiner Mutter Pascale Leclerc die Haare schneiden, die seit Jahren einen Salon im Stadtteil Fontvieille führt. Mehrfach hat er diesen Moment für seinen eigenen YouTube Kanal gefilmt. In einem Video vom Juni 2024 sagt er, während die Schere über seinen Nacken fährt, jetzt beginne die Woche des Grand Prix, das erkenne man daran, dass Mama ihm die Haare schneide. Die Kamera zeigt sein Gesicht in Nahaufnahme. Seine Mutter bleibt außerhalb des Bildausschnitts.
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Steckbrief
| Bekannt als | Mutter von Formel 1 Fahrer Charles Leclerc (Ferrari, WM Zweiter 2022) |
| Beruf | Friseurin, eigener Salon in Fontvieille, Monaco |
| Söhne | Lorenzo (geboren 1988), Charles (geboren 1997), Arthur (geboren 2000) |
| Ehemann | Hervé Leclerc, Rennfahrer, 1963 bis 2017 |
| Geburtsdatum | öffentlich nicht bekannt |
Von Hyères nach Monaco
Pascale Leclerc lebte, bevor sie nach Monaco zog, im Süden Frankreichs. Ihr ältester Sohn Lorenzo wurde 1988 in Hyères geboren, aus ihrer ersten Ehe. Sie und ihr erster Mann führten dort gemeinsam einen Friseursalon, bis sich das Paar nach einigen Jahren trennte. Pascale zog Lorenzo danach zwischen Hyères und Marseille groß, bis sie Hervé Leclerc kennenlernte. Als Lorenzo fünf Jahre alt war, zog die Familie mit ihm nach Monaco.
Diese Details stammen aus einem Essay, das Lorenzo im April 2025 unter eigenem Namen im Monaco Magazin The Monegasque veröffentlichte. Kein anderer öffentlich zugänglicher Text beschreibt diese Jahre der Familie so ausführlich. Ihr eigenes Geburtsdatum nennt der Text trotzdem nicht, ebenso wenig wie andere öffentlich zugängliche Quellen. Woher sie stammt, bleibt darin ebenfalls offen. Auf mehreren Internetseiten wird behauptet, sie sei in Monaco geboren. Belegt wird das nirgends, und die Kindheit ihres Sohnes in Hyères und Marseille macht diese Behauptung zumindest fragwürdig.
Bereits bevor er Pascale kennenlernte, war Hervé Leclerc selbst Rennfahrer gewesen, in der französischen Formel 3 der 1980er Jahre, bis ihm das Geld für den nächsten Schritt fehlte. Er stieg aus dem Rennsport aus und arbeitete danach bei Mecaplast, dem Unternehmen seines Stiefvaters Charly Manni. Mit Pascale bekam er zwei weitere Söhne: Charles kam am 16. Oktober 1997 zur Welt, Arthur am 14. Oktober 2000, beide in Monte Carlo.
Warum Karting in der Familie Leclerc zum Verteilungskampf wurde
Karting ist der Einstieg in den Motorsport, und Karting kostet Geld. Laut Lorenzos Essay aus dem Jahr 2025 können Eltern mehr als 200.000 Euro pro Saison ausgeben, nur damit ihr Kind überhaupt an den Start geht. Bei den Leclercs reichte das Familienbudget nicht für drei parallele Rennkarrieren.
Lorenzo selbst fuhr ab 14 erfolgreich Kart, gemeinsam mit Charles und mit Jules Bianchi. Bianchi wurde später selbst Formel 1 Pilot, sein Vater Philippe betrieb die Kartbahn in Brignoles, auf der die drei trainierten. Um 2006, als Hervé bereits gesundheitlich eingeschränkt war und das Budget kürzen musste, hörte Lorenzo selbst mit dem Rennfahren auf, damit Charles weiterfahren konnte. Er war damals achtzehn.
Für Arthur, den jüngsten Bruder, bedeutete das eine lange Wartezeit. Während Charles Titel um Titel gewann, kam Arthur kaum zum Fahren. Erst nach Hervés Tod 2017 half ein Onkel der Brüder, Thierry, mit dem Startgeld für eine erste Saison in der französischen Formel 4. Die Serie ist günstiger als Karting, weil sie ohne eigene Teams organisiert ist. Arthur war da schon 17, spät für diesen Sport. Sein einziges Training zuvor war eine Rennsimulation auf der PlayStation gewesen, auf der er nach Lorenzos Schilderung regelmäßig auch Charles schlug. Beim ersten echten Rennwochenende in Nogaro gewann er direkt.
Auch Charles‘ eigene Karriere hing 2011 kurz an einem seidenen Faden. Hervé fand trotz eines gewonnenen Monaco Kart Cups keine ausreichenden Sponsoren mehr. Erst auf Drängen von Jules und Philippe Bianchi war Nicolas Todt, Manager von Bianchi und Felipe Massa, bereit, den damals dreizehnjährigen Charles für den Rest der Saison zu unterstützen. Wenige Wochen später gewann Charles den Kart World Cup und bekam einen langfristigen Vertrag.
Zwei Diagnosen im gleichen Jahr
2016 gewann Charles seinen ersten Titel im Formelsport, die GP3 Serie. Im selben Jahr verschlechterte sich Hervés Gesundheit weiter, und Pascale Leclerc erhielt die Diagnose Brustkrebs. Lorenzo beschreibt in seinem Essay, wie sie morgens ihre eigene Chemotherapie durchlief und sich nachmittags um Hervé kümmerte, der bereits monatelang im Krankenhaus lag. Sie habe ihren eigenen Schmerz kleingehalten, um die Familie nicht zusätzlich zu belasten, schreibt Lorenzo, und sie habe die Krankheit überstanden. Hervé starb am 20. Juni 2017 im Alter von 54 Jahren.
Vier Tage später stand Charles beim Formel 2 Rennwochenende in Baku am Start, auf einer Strecke, die er zuvor nie gefahren war. Er hatte die Abreise dorthin verschoben und kam laut Lorenzos Essay gerade rechtzeitig zum ersten Training. Er holte die Pole Position, gewann das Hauptrennen und kam im Sprintrennen als Erster über die Ziellinie, wurde aber wegen einer Zeitstrafe auf den zweiten Platz zurückgestuft. Wenige Monate später wurde er offiziell als Sauber Fahrer für die Formel 1 Saison 2018 bestätigt.
Der Kunde, der nichts wusste
Eine der bekanntesten Anekdoten über die Familie betrifft den früheren Formel 1 Fahrer David Coulthard. Er ließ sich in Monaco jahrelang von ihr die Haare schneiden, ohne zu wissen, wessen Mutter da vor ihm stand. Als Charles 2018 bereits für Sauber fuhr, erkannte Coulthard sie im Fahrerlager beim Grand Prix von Frankreich wieder und fragte, was sie dort mache. Ihr Sohn fahre auch, antwortete sie. Als Coulthard wissen wollte, warum sie ihm das all die Jahre im Salon nie erzählt hatte, sagte sie ihm, er höre ja sowieso nie auf zu reden.
Die Hochzeit im Februar 2026
Am 28. Februar 2026 heirateten Charles Leclerc und seine Partnerin Alexandra Saint Mleux standesamtlich im Rathaus von Monaco. Pascale war bei der Zeremonie dabei und ist auf den Fotos zu sehen, die Charles anschließend veröffentlichte. Auch Arthur sowie Lorenzo mit seiner Frau Charlotte waren anwesend. Eine größere Feier mit weiterem Gästekreis ist für 2027 geplant.
In einem Interview mit der italienischen Zeitung La Gazzetta dello Sport im Juni 2026 wurde Charles gefragt, ob seine Mutter sich noch immer sorge, wenn sie ihn fahren sehe. Er antwortete sinngemäß, sie habe sich mit der Zeit vielleicht etwas daran gewöhnt, werde sich als Mutter aber wohl immer sorgen.
Was über sie selbst bekannt ist, bleibt dagegen schmal. Ihr genaues Alter fehlt in jeder Quelle, ebenso der Name ihres ersten Mannes, und über ihre Brustkrebserkrankung ist nicht mehr dokumentiert als der eine Satz, den ihr Sohn dazu veröffentlicht hat. Im selben, zu ihren Ehren geschriebenen Essay folgt auf diesen einen Satz über ihre Chemotherapie sofort wieder Charles‘ Poleposition Statistik jener Saison.

