Was beim Betrieb eines Balkonkraftwerks mit Speicher wirklich zählt

Wenn im November die ersten Frostnächte kommen und Herbststürme über die Balkone ziehen, zeigt sich, wie gut ein Batteriespeicher aufgestellt ist. Im Alltag verlangt ein Balkonkraftwerk mit Speicher wenig Aufmerksamkeit. Der Akku lädt tagsüber, gibt den Strom abends wieder ab und regelt die Einspeisung meist selbstständig. Die wenigen Aufgaben, die beim Besitzer bleiben, entscheiden allerdings darüber, ob das Gerät die zehn Jahre erreicht, für die Hersteller üblicherweise Garantie geben.

Wo steht der Speicher am besten?

Die meisten Balkonspeicher sind für den Außeneinsatz zugelassen und gegen Spritzwasser geschützt. Dass das bei Unwetter nicht immer genügt, zeigte im März die Stiftung Warentest. In ihrem Starkregentest drang bei vier von fünf geprüften Geräten Wasser in die eingebauten Steckdosen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt deshalb einen geschützten und zugleich gut belüfteten Platz, etwa in der Garage, im Hauswirtschaftsraum oder auf einem überdachten Balkon. Pralle Mittagssonne setzt den Zellen ebenso zu wie Frost, und starke Temperaturschwankungen beschleunigen ihre Alterung. Rund um das Gehäuse sollte etwas Platz bleiben, weil der Akku beim Laden Wärme abgibt.

Warum der Stecker nicht in die Mehrfachsteckdose gehört

Ein Steckersolargerät wird direkt an eine Wandsteckdose angeschlossen. Eine Steckdosenleiste ist tabu, auch wenn sonst nichts daran hängt. Die DKE, die in Deutschland die elektrotechnischen Normen erarbeitet, begründet das in ihrer Auslegung der Produktnorm DIN VDE V 0126-95 mit dem Risiko einer Leitungsüberlastung, die einen Brand auslösen kann. Verlängert werden darf nur mit einer Leitung, die der Hersteller ausdrücklich freigibt. Eine Kabeltrommel taugt nicht als Dauerlösung.

Ebenso klar ist die Grenze am Gehäuse. Alles, was der Besitzer einstellen muss, erledigt er über App oder Display. Wer den Speicher öffnet oder an der internen Verkabelung arbeitet, setzt die Garantie aufs Spiel und riskiert einen Stromschlag, denn im Inneren können auch bei scheinbar ausgeschaltetem Gerät gefährliche Spannungen anliegen.

Was die App über den Akku verrät

Ein kurzer Blick pro Woche reicht. Die Hersteller-Apps zeigen Ladezustand sowie Lade- und Entladeleistung, je nach Modell auch die Temperatur des Geräts, dazu Statistiken über Tage und Monate. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist der Verlauf. Gibt der Akku nach einem vergleichbar sonnigen Tag deutlich weniger Strom ab als in den Wochen zuvor oder wird er ungewöhnlich warm, lohnt eine Nachfrage beim Händler. Die Stiftung Warentest stellte zudem fest, dass einige Speicher nicht die angegebene Strommenge liefern. Wie viel Energie nach einer vollen Ladung tatsächlich im Haushalt ankommt, lässt sich in der App nachlesen.

Kann man den Speicher überlasten?

Im Normalbetrieb kaum. Am Hausnetz geben die Geräte höchstens 800 Watt ab. Laufen Wasserkocher und Backofen gleichzeitig, deckt das öffentliche Netz den Rest. Heikel wird es erst an der Notstromsteckdose, die viele Speicher inzwischen haben. Fällt der Strom aus, versorgt sie angeschlossene Geräte ohne Netz, aber nur bis zu einer festen Leistung. Bei der Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro liegt diese Grenze laut Hersteller bei 1.200 Watt. Ein Wasserkocher mit 2.000 Watt sprengt sie bereits, Kühlschrank, Router und Beleuchtung bleiben deutlich darunter. Wer für den Ernstfall plant, sollte vorher festlegen, welche Geräte an die Notstromsteckdose kommen, und große Verbraucher nacheinander zuschalten.

Was ändert sich im Winter?

Kälte bremst Lithium-Akkus. Viele Speicher laden bei niedrigen Temperaturen langsamer und schalten beim Laden automatisch eine Heizfolie zu, um die Zellen zu schützen. Die Stiftung Warentest prüfte ihre Testgeräte in der Klimakammer zwischen minus 20 und plus 55 Grad. Die Heizung hat allerdings einen Haken. Liefern die Module im Winter kaum Strom, wärmt sie den Akku mit Netzstrom und frisst einen Teil der Ersparnis auf. Christian Ofenheusle vom Händler Kleines Kraftwerk rät daher, Speicher im Freien möglichst nach drinnen zu holen. Hat ein Speicher keine Heizung, sollte er bei Frost abgebaut und trocken bei 10 bis 15 Grad mit 50 bis 60 Prozent Ladung gelagert werden.

Wie viel Pflege brauchen Module und Kabel?

Steil montierte Module am Balkongeländer hält der Regen weitgehend sauber. Bleibt nach dem Pollenflug ein Belag zurück, genügen ein weicher Schwamm und kalkarmes Wasser, am besten morgens, wenn das Glas noch kühl ist. Vogelkot sollte rasch entfernt werden, weil er einzelne Zellen vollständig verschatten kann. Hochdruckreiniger, harte Bürsten und scharfe Reinigungsmittel beschädigen Glas und Dichtungen, und über die Brüstung lehnen sollte sich dafür niemand.

Kabel und Stecker verdienen einmal im Jahr und nach jedem Sturm eine Sichtprüfung. Risse, scheuernde Leitungen, verfärbte Steckverbinder oder gelockerte Halterungen gehören in die Hände eines Elektrikers. Auch die Versicherung sollte Bescheid wissen. Der Gesamtverband der Versicherer rät, den Versicherer unverzüglich zu informieren, sobald eine Mini-Solaranlage in Betrieb geht. Die Hausratversicherung deckt in der Regel Schäden durch Sturm, Hagel und Feuer, und die private Haftpflicht springt ein, wenn ein losgerissenes Modul auf ein parkendes Auto fällt.

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