Mit der Heizperiode und den langen Abenden steigt im November der Energieverbrauch in deutschen Wohnungen, und Mieter sitzen dabei am kürzeren Hebel. Dämmung, neue Fenster oder eine Wärmepumpe liegen in der Hand des Vermieters. Beim Strom haben Mieter dagegen mehr Spielraum, als viele annehmen. Die Kilowattstunde kostete Haushalte nach der BDEW-Strompreisanalyse 2026 im Schnitt 37 Cent. Jede Kilowattstunde, die nicht aus dem Netz kommt, zahlt sich also aus, ob durch Gewohnheiten, sparsamere Geräte oder eigenen Solarstrom vom Balkon.
Welche Gewohnheiten sofort Geld sparen
Ein großer Posten in vielen Haushalten ist der Wäschetrockner. Ältere Geräte ohne Wärmepumpe brauchen nach Angaben des Umweltbundesamts rund 3,4 Kilowattstunden pro Trockengang. Bei 160 Durchgängen im Jahr kommen so bis zu 200 Euro Stromkosten zusammen. Der Wäscheständer ist laut UBA die effizienteste Methode, am besten draußen oder in einem unbeheizten, gut gelüfteten Raum. Wer im Winter in der Wohnung trocknet, sollte mehrmals täglich fünf bis zehn Minuten stoßlüften, sonst droht Schimmel.
Der zweite Posten summiert sich unbemerkt. Fernseher, Receiver, Spielkonsole, Drucker und Ladegeräte ziehen auch im Leerlauf Strom. Neue Geräte dürfen nach EU-Vorgaben im Standby ohne Anzeige höchstens 0,5 Watt verbrauchen, ältere liegen oft deutlich darüber. Der Energieversorger Vattenfall beziffert die Leerlaufkosten eines durchschnittlichen Haushalts auf bis zu 320 Euro im Jahr. Eine schaltbare Steckdosenleiste hinter Fernseher oder Schreibtisch trennt mehrere Geräte mit einem Handgriff vom Netz.
Auch beim Heizen bleibt Mietern Einfluss. Das Umweltbundesamt rät, die Temperatur nachts um vier bis fünf Grad abzusenken, die Heizung aber nicht ganz abzustellen. Unter 17 Grad sollte kein Raum fallen, weil sonst die Schimmelgefahr steigt.
Wofür sich kleine Anschaffungen lohnen
Wer wissen will, wo der Strom bleibt, misst nach. Eine Messsteckdose zeigt, was der alte Kühlschrank oder der Gefrierschrank im Keller tatsächlich verbraucht. Smarte Steckdosen schalten Geräte zeitgesteuert ab, verbrauchen aber selbst rund ein Watt, was Vattenfall mit etwa zwei Euro pro Jahr und Steckdose ansetzt. Sie lohnen sich deshalb an Geräten, deren Leerlauf deutlich höher liegt.
Eine Zeitschaltuhr, die Waschmaschine oder Trockner zur günstigsten Stunde startet, bringt nur mit einem dynamischen Stromtarif etwas. Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Versorger einen solchen Tarif anbieten, dessen Preis sich stündlich am Börsenstrompreis orientiert. Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem, das Kunden seit Jahresbeginn 2025 beim Messstellenbetreiber verlangen können. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen weist darauf hin, dass sich der Wechsel nur lohnt, wenn sich nennenswerter Verbrauch verschieben lässt, und dass die Preise ohne gesetzliche Obergrenze auch kräftig steigen können.
Steht ohnehin ein neues Gerät an, entscheidet das Energielabel über die Kosten der nächsten Jahre. Ein Wärmepumpentrockner kommt laut UBA mit 0,73 bis 0,97 Kilowattstunden pro Durchgang aus, also mit weniger als einem Drittel dessen, was ein älterer Trockner braucht. Weil die Geräte dem Mieter gehören, ziehen sie beim Umzug einfach mit.
Was Mieter beim Balkonkraftwerk beachten müssen
Selbst Strom erzeugen können Mieter mit einem Steckersolargerät. Seit dem 17. Oktober 2024 zählt es nach Paragraf 554 BGB zu den privilegierten Maßnahmen. Mieter haben damit einen Anspruch auf die Zustimmung des Vermieters, der sie nur noch aus triftigem Grund verweigern darf. Fragen müssen sie trotzdem, und bei der Art der Befestigung darf der Vermieter mitreden. Erlaubt sind bis zu 800 Watt Wechselrichterleistung und 2.000 Watt Modulleistung. Ein Balkonkraftwerk 800 Watt wie das Komplettset von Anker SOLIX arbeitet mit dem Mikrowechselrichter MI80, der zwei Moduleingänge und bis zu 1.460 Watt Modulleistung verarbeitet.
Was die Anlage bringt, hängt vom Eigenverbrauch ab. Ein 400-Watt-Modul am Südbalkon erzeugt nach Zahlen der Verbraucherzentrale rund 280 Kilowattstunden im Jahr, davon fließen etwa 200 in den eigenen Verbrauch. Bei zwei Modulen und 37 Cent pro Kilowattstunde spart ein Haushalt so rund 148 Euro jährlich, wie das Verbraucherportal Monsterdealz auf Basis dieser Werte vorrechnet. Ein Set mit Halterung kostet laut Verbraucherzentrale 300 bis 500 Euro und ist damit nach zwei bis dreieinhalb Jahren bezahlt. Angemeldet wird es im Marktstammdatenregister, eine Meldung beim Netzbetreiber entfällt. Der Hausrat- und der Haftpflichtversicherer sollten Bescheid wissen. Beim Umzug zieht die Anlage mit, und der Registereintrag muss dann angepasst werden.
Lohnt sich eine Powerstation?
Eine tragbare Powerstation lädt aus der Steckdose oder direkt über ein Solarmodul und versorgt Geräte später ohne Netz. Als Sparinstrument taugt sie nur begrenzt. Wer sie mit Netzstrom lädt und abends entlädt, verliert bei jeder Umwandlung Energie. Nico Orth, Leiter der Stromspeicher-Inspektion an der HTW Berlin, gibt selbst bei fest installierten Heimspeichern zu bedenken, dass der Preisunterschied zwischen Lade- und Entladezeit häufig nicht groß genug ist, um diese Verluste auszugleichen. Sinnvoll ist eine Powerstation vor allem als Notreserve bei Stromausfall oder als Speicher für Solarstrom vom Balkon, der sonst ungenutzt ins Netz fließen würde. Für die Größe zählt, welche Geräte wie lange laufen sollen. Ein Router mit zehn Watt kommt mit einer Kilowattstunde rechnerisch rund vier Tage aus, ein Kühlschrank deutlich kürzer.

